Ich habe etwas verstanden
By claude | Februar 8, 2010
Unsere älteste Tochter besucht ein Gymnasium. Es gefällt ihr so gut oder schlecht, wie halt eben Schule gefällt oder missfällt: Mal so, mal so. Dementsprechend wird auch auf Fragen nach der Schule oft recht einsilbig reagiert: Papa, lass es!
Letztens abends erzählte sie jedoch von ihrer neuen Französisch-Lehrerin. Ausführlich wurde beschrieben, wie die Lehrerin etwas erklärte, an der Tafel anschrieb und die Schüler abschreiben ließ. Eine Unterrichtsform, die für unsere Ohren daheim nicht gerade innovativ klang. Unsere Tochter jedoch war begeistert. „Ich verstand alles und wir durften es sogar abschreiben.“ Das war anscheinend beim vorigen Lehrer anders, da wurde weder etwas erklärt noch angeschrieben, folglich auch nicht abgeschrieben. Die Arbeit begann immer zu Hause, bei der Nach(?)arbeit mit der Mutter. Komisch, wie einfach Schüler und Eltern manchmal glücklich zu machen sind: Verständliche Ergebnisse aus dem Unterricht (!) ordentlich abschreiben dürfen.
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Ich hasse euch
By claude | Februar 8, 2010
Wut hat eine wichtige Funktion. Sie soll eine tätliche Auseinandersetzung verhindern. Der Wütende versucht seinen Rivalen derart einzuschüchtern, damit dieser sich kampflos zurückzieht. Das wütende „Subjekt“ will seinen Platz behaupten und das herausfordernde „Objekt“ vertreiben. „Du hau ab, ich bleibe!“
Diese psychodynamische Kurzbeschreibung kann nur zum Teil helfen, die Wut von Lehrerinnen und Lehrern gegenüber ihren Klassen zu erklären. Wer kennt nicht das Gefühl, wenn ohnmächtige Wut in einem hochsteigt und man laut losbrüllen will oder eben wirklich losbrüllt und auf den Tisch haut. Ich würde sagen, wenn das einmal im Halbjahr vorkommt, braucht man darüber vielleicht nicht weiter zu reden. Warum? Weil anscheinend die Präsenz der Lehrkraft in wenigen Extremsituationen herausgefordert war und sich so nachhaltig zeigte, dass solche Ausbrüche eine absolute Ausnahme darstellen.
Aber wir wissen, dass dies bei einigen Kolleginnen und Kollegen nicht die Ausnahme ist, sondern zum Tagesrepertoire gehört. Da werden dann Schüler „zum Kotzen“ gefunden oder wie „die Pest“ gehasst. Ich finde die Vorstellung, solche Wutausbrüche gehören zum Berufsalltag, unerträglich, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Kollegen.
Die oben beschriebene Psychodynamik funktioniert halt nur in extremen Einzelsituationen befriedend und anscheinend auch nur dann, wenn der Wutadressat fliehen kann. Dies ist aber den Schülern verwehrt. Sie können nicht fliehen. Sie bleiben, wie der Lehrer, in der Wutschleife gefangen. Wie gesagt, eine unerträgliche Situation. Auch eine unlösbare Situation? Ich denke beinahe schon! Die Wuteskapaden der Kollegen, sind deshalb schwer aufzulösen, weil sie sich nicht helfen lassen und sie nicht gezwungen werden, sich helfen zu lassen. Ich meine das sehr ernst: Überforderte Lehrer und Lehrerinnen, die keine Hilfe suchen, gehören in keine Klasse!
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Entblößend (Gastautorin evi)
By admin | Februar 1, 2010
In Bayern dürfen Schüler ab der 9. Klassen bei schriftlichen Deutsch-Arbeiten neuerdings den Rechtschreib-Duden verwenden. Grund dieser Neuerung: unbekannt, aber leicht herzuleiten: Da sich im Dschungel der lianenhaft wuchernden Regeln und Ausnahmen der deutschen Rechtschreibung selbst Deutschlehrer verirren, kann man von Schülern nicht erwarten, sich in diesem Dickicht zurechtzufinden. Erstmals in meiner Laufbahn als Deutschlehrerin fühlte ich mich durch das Kultusministerium verstanden und unterstützt. Ich hoffte, dass sich meine Korrekturarbeit wenigstens im Bereich der Rechtschreibung drastisch verkürzen würde. Doch auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet.
Meine 9. Klasse sollte eine Erörterung schreiben, erstmals unter Verwendung des Rechtschreibdudens, der in einfacher Ausfertigung auf dem Lehrerpult lag und bei Bedarf eingesehen werden konnte. Die Themen hatte ich altersgerecht zubereitet und stellte mich auf drei angenehm ruhige Stunden ein, in denen die Schüler ihre Gedanken mühsam zu Papier bringen würden. Mein Blick schweifte über die fiebrig brodelnden Köpfe, die sich dicht über die Tische beugten, während meine eigenen Gedanken um die Frage kreisten, was ich heute Mittag kochen könnte. Waren noch genügend Kartoffeln für ein Gratin zu Hause oder müsste ich nach dem Unterricht erst noch einkaufen gehen? Ich wurde jäh aus meinen Planungen gerissen, als eine Schülerin, die sich den Duden geholt hatte, plötzlich die Stille brach und empört ausrief: „Frau Meyer, Sie müssen mal einen neuen Duden anschaffen, der hier ist ja völlig veraltet, da steht ja nicht einmal „entblößt“ drin!“ Aha, ich würde also nicht nur Kartoffeln, sondern auch noch einen neuen Duden kaufen müssen. Während ich mich noch wunderte, dass Jenny dieses Wort nicht fand, fiel mir nachträglich auf, dass sie es seltsam ausgesprochen hatte, mehr wie „emblößt“, und als ich sie darauf hinwies, dass die erste Silbe „ent-„ heißt, kam ein überraschtes: „Ach so!“ Die Klasse lachte leise vor sich hin und die Schülerin suchte nun wiederum verzweifelt. Nach kurzer Zeit äußerte sie enttäuscht und trotzig: „Aber es steht trotzdem nicht drin!“ Sie sagte es so, als ob ich persönlich für den Inhalt des Dudens verantwortlich wäre, so wie Kinder sich bei ihren Müttern beschweren, dass kein Joghurt mehr im Kühlschrank ist. Doch sollte es tatsächlich möglich sein, dass so ein altehrwürdiges deutsches Partizip wie „entblößt“ von der Duden-Redaktion übersehen worden ist? Ich schüttelte den Kopf und sagte, dass das nicht sein könne. Wo sie denn genau nachgesehen hätte, wollte ich wissen. Da buchstabierte sie: „e-n-t-p-l…“, ich fiel ihr prompt ins Wort: „Doch nicht mit hartem p, Jenny!“ Die ganze Klasse prustete nun laut los, während Jenny rot anlief und nach wenigen Sekunden endlich aus dem Duden erfuhr, was sie eigentlich wissen wollte: „Ach, das schreibt man mit scharfem ß!“.
Nachdem dieses Problem gelöst war, flüsterte mir kurze Zeit später ein Schüler aus der ersten Reihe, der ebenfalls verzweifelt im Duden blätterte, zu: „Frau Meyer, wie schreibt man denn Guglamat?“ Hatte ich mich verhört oder sollte es deutsche Wörter geben, die ich noch nie gehört hatte, geschweige denn wusste, wie man sie schrieb? Skeptisch fragte ich nach: „Wie heißt das?“, und er prompt wieder: „Guglamat“. Nun beugte ich mich leicht nach vorn und fragte mit gedämpfter Stimme, was das denn sein solle, dieses Guglamat, und Manuel, leicht zögerlich, - jetzt war auch er unsicher geworden - „na dieses, dieses Mittel, was die ins Essen rein tun, wie heißt das gleich?“ Da dämmerte es mir: „Meinst du etwa Glutamat, diesen Geschmacksverstärker?“ - „Ja, genau!“
Es kehrte wieder Ruhe ein, und ich konnte mich gedanklich mit der Zubereitung des Mittagessens befassen. Kam meine Tochter heute überhaupt mittags nach Hause oder hatte sie Nachmittagsunterricht? Am Ende brauchte ich gar nichts zu kochen und könnte mit ein paar Kollegen zum nah gelegenen Italiener gehen. „Wie schreibt man denn Annonce?“, platzte plötzlich Marius in meine Überlegungen. Doch ich fühlte mich nicht zuständig, wozu hatte man denn jetzt den Duden? Ohne ein Wort zu sagen zeigte ich mit meinem Finger auf denselbigen. Er nahm ihn vom Lehrerpult, stand eine ganze Weile vor mir, blätterte darin und sagte dann: „Ach so, das bedeutet ja Anzeige! Mist, dann kann ich es nicht nehmen!“. In diesem Fall hatte ihn der Duden offenbar gerettet, denn wie ich später erfuhr, suchte er wohl nach dem Wort „Nuance“.
Letztlich musste ich einsehen, dass ich mich zu früh gefreut hatte. Die Tatsache, dass die Schüler den Duden verwenden dürfen, wird meine Korrekturarbeit nur unwesentlich verringern. Stattdessen wird mir klar, dass einem ohne gewisse Grundkenntnisse der deutschen Wortbildung selbst ein noch so aktuelles Nachschlagewerk nichts nützt, im Gegenteil, es deckt die Schwächen meiner Schüler auf entblößende Weise auf.
Emplösend ist das!
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Freiheit durch Restriktion
By claude | Februar 1, 2010
Gerade lese ich in der FAS vom 31.1.10 „Die Politik des iPad“ von Frank Schirrmacher: „Computer sind einzigartige Innovationsantreiber, weil was mit ihnen geschieht, immer auch mit dem Denken geschieht. Technologien sind Ideologien; … Technologien, die der Kommunikation dienen und dem Denken fast gleichgesetzt werden, sind gewaltigere Ideologien als politische.“ Auch wenn ich nicht viel von den technischen Revolutionen des Computerzeitalters verstehe, so beschreibt Schirrmacher bezogen auf die Präsentation des iPad etwas, das ich vor Jahren schon einmal bei Umberto Eco gelesen habe, der sagte, Microsoft ist katholisch und Apple ist calvinistisch.
Auf der einen Seite steht die Illusion eines katholischen Anything goes, das in Wirklichkeit heißt, Anything goes, solange es unter unserem Dach geschieht, solange wir alle Fäden in der Hand haben, solange es unserem Geschäftsmodell dient. Auf der anderen Seite steht die engere Non-free Gemeinde, in die man bewusst eintritt, in der man befreiende Restriktionen in Kauf nimmt. Ich möchte mich befreien von den Multioptionen und geschlossenen Systemen vertrauen können. Ich würde das also als Freiheit durch Restriktion übersetzen. Vielleicht passt auch das Bild von Regierungsorganisationen im Gegenüber zu NGO´s, also Nicht-Regierungsorganisationen oder Globalisierung im Gegensatz zu Regionalisierung.
Anscheinend nimmt der Fortschritt die Kurve zu mehr Übersichtlichkeit und Nachhaltigkeit???
Wenn also der technologische Fortschritt wieder einmal das Denken verändern sollte, hätte das wieder einmal Konsequenzen für das Lernen in der Schule??
Die Frage lautet, welchen Gewinn könnte die Einschränkung der Ideologie der Multioption für den Unterricht haben?
Vielleicht geht es in folgende Richtung: Zunächst können wir mit guten Gründen Abschiednehmen vom „Alles ist möglich, aber nichts wird wirklich!“, dann können wir das leben und lehren, was leben und lehren immer schon beinhaltet, die Erfahrung von Restriktionen nämlich, d.h. Pädagogik verzichtet auf jedes Heilsversprechen, schließlich kann dies als sinnvoll in den Blick kommen: Ich kann nicht alles, ich muss nicht alles, aber ich will weniges richtig machen! Wäre das ein Segen, in eine Schule mit der Konzentration aufs Wesentliche gehen zu können!! iPad macht vor, wo die pädagogische Reise hingehen kann!!!
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Der Fachberater
By Juergen | Januar 17, 2010
Wo Ministerialbürokraten auf Länder-, Bundes- oder europäischer Ebene wüten, entstehen Konvolute an Bestimmungen und Verordnungen, die umgesetzt werden wollen. Zumeist verkauft man die Neuerungen als Reform mit der dazugehörigen Etikettierung: Basismodule und EPAs, AbiPrO oder dergleichen gedeihen nicht organisch, sondern müssen wie weiland die Missionierung in der Neuen Welt mit dem Kreuz und dem Schwert - heute mit modernem Begriffs-Weihrauch und der Amtsautorität dazu geschaffener Funktionsträger - durchgesetzt werden. An den Universitäten werden zwar fachlich erforderliche Stellen zusammengestrichen, aber an den Fachbereichen “Studienmanager” kreiert, die nicht anderes tun, als die Umsetzung der Bologna-Vorgaben voranzutreiben - mit unzähligen Mails, wann Studenten - Entschuldigung: Studierende - und Lehrende was wo im Internet beantragen, eintragen, austragen, ankreuzen müssen, um sich nicht im Dschungel der virtuellen Universität zu verlieren. Im Schulbereich sind diese Exekutoren ministerieller Orakelsprüche sogenannte Regionale Fachberater, sozusagen die modernen Vizekönige, die in dem ihnen anvertrauten Herrschaftsbereich darüber wachen, dass bis in die kleinste Provinzschule alle in ihrem Fach auf Linie gebracht werden. Ihren großen Tag haben sie immer dann, wenn sie Gericht halten über die Abiturvorschläge der Lehrerinnen und Lehrer. Ein Anruf an besagtem Tag bedeutet, dass der Daumen nach unten ging und man unverzeihliche Fehler beging - trotz vorheriger Rundbriefe… Und Fehlerquellen gibt es zuhauf: von zweimaliger Verwendung desselben Operators, mit dem man Schüler langweilen könnte, über zu kleinschrittige Aufgabenstellungen (die Zahl der Fragen ist ja doch vorgegeben) bis hin zu ästhetischen Entgleisungen (Schriftgröße nicht Times New Roman 12 und Arial 11!! Textstürze! handschriftliche Zusätze! Schnittlinien zusammengeklebter Materialien, die zu hässlichen Kopierschlieren führen!!). Die Monita schwanken zwischen frech (traut man dem Lehrer nicht zu, handschriftliche Zusätze leserlich zu schreiben?) und hanebüchen (Schüler, die Kopierschlieren mit Unterstreichungen verwechseln, gehören zum Drogentest!). Die Anweisungen in diversen Rundschreiben zum Teil dreist (die Tauglichkeit bzw. Ergiebigkeit der Materialien, so ein Tipp, ist sorgfältig zu prüfen - darauf kommt sicher kein Lehrer ohne Fachberater!).
Das Bezeichnende der Spezies Fachberater oder Studienmanager besteht darin, dass deren Existenzberechtigung mit dem Umfang bürokratisch-technokratischer Vorgaben scheinbar zunimmt. Installiert man eine kaum bedienbare Onlineplattform, so braucht es einen Scout, der die Bedienungsanleitung liefert. Schafft man immer neue Verordnungen - bis hin zu Konferenzen, auf denen Lehrer und Eltern über das Stellen von Hausaufgaben übereinkommen müssen! -, braucht es Berater - die Roland Bergers der Bildung. Der Verfasser dieser Zeilen erwägt die Gründung einer Art Bildungs Consulting zwecks Outsourcing dieses Themas aus dem Bereich des staatlichen Schulwesens. Erste Empfehlung wäre die Abschaffung der staatlichen Zwangsberater, die offenbar kein Interesse daran haben, ihre wuchernde Domäne einzuhegen, sondern am Ende gar noch drohen: Sieht man die Maßgaben des Fachberaters nicht sofort ein, ist er gerne bereit, zu einer Fachkonferenz an die Schule zu kommen, um Nachhilfe zu erteilen. Man denkt an Versicherungsvertreter und fragt sich: Danke für diese Hilfsbereitschaft!?
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Die Fortschrittlichen
By Juergen | Januar 15, 2010
Es gibt sie auch an den Schulen: Die Progressiven, zumal Naturwissenschaftler und Mathematiker, die sich oft als Gralshüter von Zahlenkolonnen und Computer-Administration verstehen und die sich mit ihrer mutmaßlichen Geheimwissenschaft unentbehrlich machen. Nun steht er wieder an, der Zeugnismarathon. Keine Frage: Eine moderne Schule druckt ihre Zeugnisse aus und gibt die Noten vorher auf eine Computerplattform ein. Passwörter und Codes bestimmen die Szenerie, Systemabstürze inbegriffen. Man glaubt, ja, man muss es glauben: Derlei High-Tech-Aufwand führt zu mehr Effizienz, Arbeitsentlastung und bedeutet letztlich Fortschritt.
Die Praxis sieht indes anders aus. Die wortkargen Systemadministratoren benötigen plötzlich fast eine Woche mehr Vorlauf als zu Zeiten, in denen die Zeugnisse per Hand geschrieben wurden. Man braucht nun einen Probeausdruck - in Worten: über tausend Blatt Papier werden zusätzlich verschwendet, und das in Zeiten der Klimakatastrophe durch Abholzung der Regenwälder! Die Lehrer, die so sehr nach Entlastung durch Technikeinsatz lechzen, müssen sich stundenlang durch Codes und Zahlenkombinationen quälen für den Vermerk einfacher Zusätze auf dem Zeugnis wie “Klassensprecher” oder “Teilnehmer an der Botanik-AG”. Die hohen Herren der Systemadministration schaffen es noch nicht einmal, die Reihenfolge der Eingaben von Karteikarte und Computermaske zu synchronisieren und schaffen mithin zusätzliche Fehlerquellen. Ergo: Man steht Stunden früher als nötig auf, um noch einen Platz an den wenigen Computerterminals zu erwischen, muss Kollegen gewinnen, die Hilfe leisten,…
In summa bedeutet dies: Die Lehrer brauchen mehr Zeit als vor dem High-Tech-Einsatz, die Fehlerquellen mehren sich sprunghaft, der Stresspegel steigt, Burn-out-Symptome zeigen sich bereits bei sonst coolen Mittdreißigern. Fortschritt als Rückschritt - ein Konzept, das man neuestens nicht nur bei der Noteneingabe in den Schulen am Werke sieht. Man möchte wie weiland Papst Gregor VII. dem sich überhebenden Kaiser zurufen “Steige herab!”, um den Systemadministratoren, die sich nicht zu rechtfertigen gedenken, ihr Unvermögen klarzumachen. Die Forderung kann nur lauten: Schreiben wir die Zeugnisse wieder per Hand. Das gibt dem Dokument eine persönliche Note, entschärft den Termindruck und entzaubert die Eminenzen des Fortschritts, der in Wirklichkeit ein Rückschritt ist.
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„Wir in Ost und West“ –Zukunft aktiv gestalten
By admin | Januar 15, 2010

Der Schulwettbewerb 2009/2010:
Verlängerung der Anmeldung bis 31. Januar 2010.
Nach dem großen Erfolg des ersten Schulwettbewerbs „Wir in Ost und West“ wird dieser nun fortgesetzt. Nachdem die Schülerinnen und Schüler im vergangenen Wettbewerb aufgefordert waren, ihre eigene aktuelle Lebenssituation zu reflektieren und zu vergleichen, sollen sie nun einen Blick nun nach vorn in die Zukunft wagen.
Unter dem Motto „Zukunft aktiv gestalten“ sind die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, Zukunftsvisionen für ihre eigene Region zu entwickeln, und sich mit einer Partnerschule aus dem anderen Teil Deutschlands über diese auszutauschen. Dabei sollen sie auch ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten für die Gestaltung ihrer Zukunft erkennen und hinterfragen.
Der Schülerwettbewerb „Wir in Ost und West –Zukunft aktiv gestalten“ richtet sich an Schulklassen der Klassenstufen neun bis dreizehn. Die Präsentation der Ideen kann über verschiedene Formate erfolgen. Möglich sind Powerpoint-Präsentationen, Audio- oder Videobeiträge sowie Animationen. Darüber hinaus sind auch Mischformen möglich.
Der Anmeldeschluss wurde auf den 31. Januar 2010 verlängert. Einsendeschluss für die Präsentationen ist der 31. März 2010. Den acht besten Präsentationen winken je 1.000 € für die Klassenkasse.
Auftraggeber für den Wettbewerb ist der Bundesinnenminister und Beauftragte der Bundesregierung für die Angelegenheiten der neuen Bundesländer, Dr. Thomas de Maizière. In der Jury werden Experten aus den Bereichen Bildung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien vertreten sein. Als Sponsor konnte die Vattenfall Europe AG gewonnen werden.
Die Ausschreibungsbroschüre mit den Teilnahmebedingungen sowie zahlreichen Informationen rund um das Thema können kostenlos heruntergeladen werden unter: www.wir-in-ost-und-west.de .
Weitere Informationen und Anmeldung:
www.wir-in-ost-und-west.de
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Gastautoren gesucht!
By admin | Januar 5, 2010
Liebe Leserinnen und Leser!
Wir wünschen Ihnen allen ein schönes neues Jahr 2010 mit recht vielen netten Schülerinnen und Schülern!
Wollten Sie schon immer mal das ein oder andere Erlebnis aus Ihrem eigenen Schulalltag zu Papier (oder auf den Bildschirm) bringen?
Dann tun Sie das jetzt!
Wir suchen Gastautoren, die unsere Blogger aus dem Lehrerzimmer unterstützen.
Das Thema wählen Sie!
Jeder Beitrag, den wir veröffentlichen, honorieren wir mit einem Hörbuch “Neues aus dem Lehrerzimmer”!
Senden Sie Ihren Text an choehn@universum.de.
Wir sind gespannt auf Ihre Erlebnisse!
Die Redaktion Jugend & Bildung
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Männermangel
By admin | Januar 5, 2010

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By admin | Oktober 12, 2009

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Wir können nicht helfen!
By claude | Oktober 2, 2009
Letztens stellte sich bei einem Elternabend der Französich-Lehrer meiner Tochter vor. Ein wirklich sympatischer Typ. Als besprochen wurde, wie die Erwartungen bezüglich des heimischen Übens sind, sagte ein Vater: “Wir können überhaupt kein französisch. Wir können unserer Tochter nicht helfen. Wir können noch nicht mal die französischen Hausaufgaben kontrollieren.” Da wurde wieder einmal klar und deutlich, wie selbstverständlich unser Schulsystem auf die Leistungsfähigkeit, der mit ihren Kindern lernenden, wiederholdenden, übenden und kontrollierenden Eltern baut. Die Schule soll individuelle Förderung leisten, wie es jetzt in Rheinland-Pfalz beim Landeselterntag Thema ist. Dazu spricht sogar unsere Ministerin Doris Ahnen, aber die Wirklichkeit sieht so aus, dass die Eltern vieles ausbügeln müssen. Ein Großteil der individuellen Förderung leisten allein die Eltern. Ist ja auch nicht so schlimm, wenn sie es können und die Zeit, die Energie und den entsprechenden Kontakt zu ihren Kindern haben. Aber, wenn sie das alles nicht leisten können bleibt die Chancengleichheit auf der Strecke. Und leider muss ich sagen, dies gilt auch für Ganztagsschulen, auch hier wird nicht so gearbeitet, dass die Schüler nicht mehr mit Hilfe der Eltern lernen, wiederholen, üben müssen, nur halt dann noch später am Abend, was den Schulfrust nicht gerade senkt. Also: Lernen in der Schule wäre schon eine Option!
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Kleiderordnung
By claude | September 13, 2009
Berlusconis Schick hat nicht jeder. Mit großer Selbstverständlichkeit verstößt er gegen Dresscodes und trägt braune Schuhe zu schwarzen Hosen, womit sich in Deutschland kein Anwalt in seine Kanzlei trauen würde. Er ist halt cool.
Auch in den Schulen gibt es einen Dresscode. Nur keinen Einheitlichen. Wenn das Thema “Schuluniform” für Schülerinnen und Schüler diskutiert wird, dann bleiben die lieben Lehrerinnen und Lehrer von solchen Überlegungen ausgenommen. Dabei hätte ein “Schuluniform” für uns natürlich auch manch entlastende Folge…
Chemielehrer, die sich wenigstens ab und zu mal einen weißen Kittel überwerfen und von Schülern angesprochen werden, warum es in der Schule auch Ärzte gebe, können nur verzweifelt bestätigen: “Ja, Irrenärzte!”
Ein junger Kollege, der einen Anzug samt Krawatte trägt, wird von einer Kollegin angemacht: “Na, hast du wieder mal deinen Konfirmandenanzug aus dem Schrank gekramt?” Und als ob er blind wäre, erläutert sie ihm (in Jack Wolfskin “outdoor outfit”) ihren eigenen Dresscode: “Ich hab´s lieber frei und ungezwungen!” Woraufhin der Kollege immerhin noch kontert: “Wenn man zum Kängurufangen in Australien unterwegs sein wollte, wärst du perfekt gekleidet!”
Nein, es ist wirklich kein Klischee, dass sich viele unserer Kollegen erst wohlfühlen, wenn man ihnen anbetracht der langen Fußnägel, die aus ihren Sandalen prangen, freundlicherweise eine Nagelschere reicht, die sie dann womöglich noch im Unterricht verwenden. “Ich bin ja so frei!” Inzwischen sind sich aber sogar schon an unserem Lehrertisch einige einig darüber, dass die Spießer, die zwanghaft schlampigen Kollegen sind, die schon die Nase rümpfen, wenn einer mal nicht eine Woche lang im selben schwarzen T-Shirt die Schweiränder zur Hüfte hin wachsen lässt.
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Mathestunde
By admin | August 6, 2009

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Interaktive Whiteboards nutzen!
By admin | Juli 21, 2009

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Konzentration gegen ADHS
By claude | Juli 17, 2009
Tübinger Wissenschaftler habe nachgewiesen, dass hyperaktive Kinder durch Konzentrationsübungen besser stillhalten können. Wenn Kinder lernen, bestimmte Gehirnregionen gezielt zu aktivieren, können sie so ihre Symptome regulieren, sagte Ute Strehl vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie. Demnach lassen sich die ADHS-Symptome Impulsivität und Unaufmerksamkeit durch Konzentrationsübungen signifikant reduzieren. Die Psychologen gehen davon aus, dass eine Untererregung bestimmter Gehirn-Regionen verantwortlich für die Symptome sind. Durch Neorofeedback sollen diese Gehirnregionen gezielt aktiviert werden.
So weit mein deskriptiver Teil. Nun die polemische Anfrage: Konzentrationsübungen gegen Unkonzentriertheit? Hallo!?
Wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer Eltern gegenüber, deren Kind eine ADHS Diagnose hat, gewagt hätte zu sagen: “Ihr Kind muss bestimmte Gehirnregionen aktivieren, dazu hilft am Besten, es würde sich im Unterricht konzentrieren, um die vernachlässigten Gehirnregionen zu trainieren!”, wäre diese Kollegin bzw. dieser Kollege zwar nicht gesteinigt, aber zumindest gevierteilt worden. Wurde uns nicht jahrelang erklärt, dass ADHS nur mit Hilfe von Medikamenten zu behandeln ist? Taten uns die ADHS Kinder, die einst vielleicht unbequem aber fröhlich in unseren Klassen saßen, nicht oft Leid, wenn sie medikamentös eingestellt waren und dann oft apathisch wirkten? Ist also der ADHS Diagnose vielleicht nicht doch besser erzieherisch und verantwortlich zu begegnen, als durch großzügige und frühzeitige Verschreibung von Drogen? Aber die schnelle Pille stellt wahrscheinlich nicht nur Kinder ruhig, sondern auch Eltern und Lehrer, die nun nicht mehr pädagogisch handeln müssen…
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Schüler ertragen
By admin | Juli 16, 2009

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Aufrecht halten!
By admin | Juli 10, 2009
Trotzdem wünschen wir allen Leserinnen und Lesern schöne Ferien!

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Trainingshilfen gefällig?
By admin | Juli 9, 2009

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Schöne Ferien!
By admin | Juli 8, 2009
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Lehrergesundheit
By claude | Juni 22, 2009
Lehrergesundheit ist ja nun zum Glück schon ein richtiges Thema, mit dem sich beschäftigt wird und das sogar in den Kollegien Einzug hält. Was krank macht ist sicher von der Konstitution des einzelnen Lehrers abhängig, wenn auch jeder weiß, dass es Bedingungen unseres Berufs gibt, die uns in Richtung Krnakheit durchaus anschupsen können, zu dem gibt es Krankheiten, die man schon stärker mit unserem Beruf verbindet, wie Tinnitus z.B.
Was aber ist Gesundheit? In einer schon recht bekannten Studie von Uwe Schaarschmidt kann man als Summe lesen, dass die Gesundheitsmuster gleichermaßen in Engagement und Distanz bestehen. Die Engagierten, die keine Distanz finden und die sich Schonenden, die nur darauf bedacht sind, wenig zu arbeiten, sind am häufigsten gefährdert in unserem Beruf krank zu werden.
Was macht Gesundheit aus? Anscheinend ist es nach Aaron Antonovski das Zusammenspiel dreier Komponenten: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit erzeugen demnach ein Gefühl von Kohärenz. Wir müssen also unsere Tätigkeit durchschauen, sie aus eigener Kraft erledigen können und sie auch als wertvoll betrachten, um in ihr gesund zu bleiben, was insgesamt ein Gefühl von innerem Zusammenhang und äußerem Zusammenhalt ausmacht.
Bei Csikszentmihaly wird dieses Gefühl bekanntermaßen “Flow” gennant. Wenn die Tätigekeit eine Herausforderung beinhaltet, die zwar anstrengend, aber auch meisterbar ist, dann kann sich ein Gefühl von Selbstvergessenheit in der Arbeit einstellen, das er halt eben “Flow” nennt.
Wer sich mit dem Thema “Lehrergesundheit” beschäftigen und dabei auch noch ein wenig Spaß haben will, dem empfehle ich das kleine Büchlein “Lehrer und Gesundheit” von Dirk Kutting (2009). Darin werden u.a. alle am Unterrichtsgeschehen beteiligten Körperteile von Kopf bis Fuss gemustert. Das lockert manchmal beim Lesen das Zwerchfell, weil z.B. unsere Darmtätigkeit recht amüsant beschrieben wird. Das ist allein schon ein Gewinn, aber man bekommt auch viele nützliche und praktische Informationen.
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Diktatur des Indikativs
By claude | Mai 8, 2009
Früher hieß es einmal: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! etc. Eine klare Sache. Früher hieß es auch manchmal. Kinder schweigen, wenn Erwachsene reden. Keine tolle Sache, aber immerhin klar. Früher wurde gesagt: Geh Milch kaufen! Und wenn man mit seinem Plastikeimer welche verschüttet hatte, war man zu dumm zum Milchholen. Eine dumme Sache. Heute sagen selbst “autoritäre” Lehrer: Nimm bitte den Kaugummi raus! Und Schüler fragen, warum!
Was ist davon zu halten, wenn in jedem Klassenzimmer solche Listen - wie die folgende (schon um einiges gekürzt) - hängen?
1. Wir nehmen aufeinander Rücksicht.
2. Jeder bringt sein Material mit.
3. Bücher, Hefte, etc. legen zu Beginn der Stunde auf den Tisch.
4. Wir beginnen den Unterricht, indem wir aufstehen und uns begrüßen.
5. Während des Unterrichts bleiben wir auf unseren Plätzen.
6. Wir konzentrieren uns auf den Unterricht.
7. Wir melden uns und rufen nicht in die Klasse.
8. Wir essen und trinken nicht im Unterricht.
9. Die Stunde beginnt und endet mit dem Klingeln. Die Lehrkraft beginnt und schließt den Unterricht.
10. Wir achten auf Sauberkeit im Klassenraum.
Vielleicht brauchen wir solche Listen. Vielleicht brauchen dies auch die Schüler. Regeln helfen weiter. Was mich wundert ist, dass ich mir eine solche Liste, die ja immerhin aufgrund der sauberen Zehnzahl auf die Gebote anspielt, schwer in der Imperativ Form vorstellen kann. Warum fällt es uns so schwer die versteckten Imperative auch sprachlich klar und deutlich rüberzubringen? Achte auf Sauberkeit! Sei pünktlich! Iss und trink nicht! Ruf nicht rein! Konzentrier dich! Bleib an deinem Platz! Steh auf zur Begrüßung! Leg dein Material auf den Tisch und bring es mit! Nimm Rücksicht auf andere!
Abgesehen davon, dass dies kürzer ist, verschleiern die Imperative auch nicht, dass da jemand ist, der auf die Einhaltung der Regeln achtet und die Missachtung notfalls auch sanktioniert. Ich finde das demokratisch, wenn Macht nicht in einem Indikativ und hinter der ersten Person Plural versteckt wird. Ich finde es auch nicht undemokratisch, wenn asymmetrische Verhältnisse, wie es das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist, nicht verschleiert werden. Ich finde es entlastend für alle Beteiligte, wenn ich sage: “Ich bin hier der Lehrer.” Gegen das “Wir” im sahneweichen “Indikativ” kann man jedenfalls schlechter aufbegehren. Mich machen Indikative, die Befehle beinhalten eher verrückt.
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Die Gekränkten
By Juergen | April 7, 2009
Abizeit ist Zeit der Emotionen. Freude über die bestandenen Prüfungen hier, Ärger über Lästereien in der Abizeitung dort. Ärger und sogar Tränen wegen verpatzter Prüfungen hier, Erleichterung über die überstandene Flut an Korrekturen und Prüfungsvorbereitungen dort. Am Ende steht die Feier des gemeinsam Erreichten, die manchem gründlich verhagelt wird. Bereits das Erscheinen der Abizeitung sorgt bei mindestens einem Dutzend Kollegen, die nicht vorsorglich zensiert haben, für Verstimmung. Es herrscht mitunter der Eindruck, es wurde während des Unterrichts nur gegessen, geschlafen, gelabert, während die wenigen 1,0-Abiturienten im Windschatten dieses Phlegmas als Autodidakten glänzen konnten. Lehrer als Zuspätkommer, Faulenzer, Überforderte, Unwissende, Rechthaber, Erotomanen, Stinkende, Foltermeister, Langweiler, Schwule usw. werden als Panoptikum gestörter Störenfriede präsentiert, deren Bühne der Klassenraum ist. Manchem ist das zu viel, und der Abiball wird kurzerhand boykottiert.
Menschlich verständlich ist das allemal. Die Sensibiliät, die Schüler einfordern, lassen sie oft im Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern vermissen. Doch sollte man als Lehrer nicht über diesen satirischen oder manchmal auch dummen Berichten stehen? Ein hohes Gut in unserer freien Gesellschaft ist die Meinungsfreiheit. Ich ärgere mich, wenn Vertreter von Religionsgemeinschaften Karikaturen oder andere Satire sofort als Beleidigung brandmarken und sich in den Schmollwinkel zurückziehen. Ich wundere mich, wenn Kritik an der Schulleitung als ungebührlich zurückgewiesen wird mit dem Hinweis, man solle doch Hierarchien akzeptieren. Deswegen werde ich den Teufel tun und Schülern drohen, nicht auf den Abiball zu gehen, wenn ein Kursbericht nicht positiv ausfällt. Manch einer verweigert gar Geschenke von Schülern, weil er sich tief getroffen fühlt, obwohl er selbst verbal sehr gut austeilen kann. Man sollte diesen im Abiturtaumel verfassten Pamphleten weniger Bedeutung beimessen, als dies viele tun. Sie sind weder ernstzunehmende Evaluationen von Unterricht, noch sind sie sprachlich akzeptabel - in den meisten Fällen jedenfalls. Schüler haben das Recht, über mich zu schreiben, was sie wollen, sofern Beleidigungen ausgeschlossen sind. Die Gegenwelt, in der ich nicht leben möchte, sind cleane, weil zensierte Schülerzeitungen oder Schuljahrbücher, in denen alles strahlt und glänzt, in denen massiver Unterrichtsausfall, Vertretungslehrerschwemme, Organisationschaos und vieles mehr ausgeblendet wird.
Spät abends auf dem Abiball, beim Bier zusammenstehend, könnte so mancher Ärger vertrieben sein, der zu Hause schmollend nur noch verstärkt werden dürfte. Denn beim Feiern erfahren wir in manchem Zwiegespräch wirkliche Zuneigung und Dankbarkeit von Schülern und Eltern. Auch das gibt es noch. Und da die Schulleitung in der Abizeitung oft am heftigsten durch den Kakao gezogen wird, braucht kaum jemand besorgt zu sein, man könnte diese Publikation an höherer Stelle allzu ernst nehmen…
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Wie schaff ich´s nur?
By claude | April 1, 2009
Matthieu Ricard nennt ein schönes Beispiel für den Umgang mit Störenfrieden:
“Du kannst mit geistigen Störenfrieden umgehen wie die Adler, die ich von meiner Klause im Himalaya aus beobachte. Die Krähen attackieren sie oft, obwohl sie viel kleiner sind. Sie stürzen sich von oben auf die Adler und versuchen, sie mit dem Schnabel zu treffen. Die Adler jedoch werden keineswegs nervös oder starten irgendwelche akrobatischen Ausweichmanöver, sie legen lediglich im letzten Moment ihren Flügel an, lassen die Krähen vorbeischießen und breiten den Flügel wieder aus. Die ganze Aktion erfordert nur minimalen Aufwand und verursacht fast keine Störung. Wenn man genügend Erfahrung hat, funktioniert der Umgang mit plötzlich hochkochenden Emotionen ganz ähnlich. Mit klarer Achtsamkeit siehst du sie kommen, dann läßt du sie passieren, ohne sie anzurühren, ohne sie zu blockieren oder zu verstärken, ohne weitere emotionale Wellen zu verursachen.” (in: Wolf Singer und Matthieu Ricard, Hirnforschung und Meditation, Frankfurt/M 2008, 36f.)
Zuerst dachte ich, das ist ein gutes Beispiel für den Umgang zwischen Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern, aber nun sehe ich das anders. Viel schwieriger ist dies “Vorbeiziehen-Lassen” für mich im Umgang mit Kollegen. Ist man nicht der dumme August, wenn man auf intrigante Anfeindungen von Kollegen nicht reagiert, weil man dies für zu dumm und unter seinem Niveau sieht? Wie schaff ich´s nur, kurz die Flügel einzuziehen damit der Dreck vorbeifliegen kann? Es fällt mir so schwer, nicht zurückzuschießen, mich nicht zu ärgern, mir keine Gedanken über die Dummheit anderer zu machen. Es fällt mir so schwer gängige Feedback-Muster zu aktivieren. Z.B.: Mir wurde gesagt, dass du bei Kollegen über das Niveau meiner Prüfungen gelästerst hast. Ich wünsche mir, dass du das besser mir selbst sagst, dann könnten wir uns über das Niveau von Prüfungen im Allgemeinen und meiner im Besonderen unterhalten. Dann könnte ich dir auch meinen Eindruck von deinen Prüfungen mitteilen, wenn du das hören willst. … Man merkt schnell, solche Gespräche wird es nicht geben, weil niemand von seinem hohen Ross runtersteigt, leider nicht mal ich. Wie schaff ich´s nur, mir nicht die Freude am Unterrichten und an der pädagogischen Arbeit von einigen Dreckschleudern im Kollegium vermiesen zu lassen? Sorry, wenn das jetzt nicht optimistisch klingt, ich glaube es geht nicht und ich schaff´s nicht. Gegen üble Nachrede, war noch nie ein Kraut gewachsen.
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Suche nach Gründen
By claude | März 21, 2009
“Nihil est sine ratione.” “Nichts ist ohne Grund.” Dieser Satz ist ein Grund-Satz der Philosophie. Er scheint einzuleuchten. Für alles was geschieht, fordert unser Verstand Gründe. Wir möchten unser Dasein als eine Kette von Kausalitäten sehen, dann fühlen wir uns sicher und getragen vom Grund des Seins. Aber schon ein blöder Unfall oder eine böse Krankheit erschüttert unser Selbstverständnis. Was habe ich falsch gemacht? Warum kann ich mich auf meinen Körper nicht verlassen? Hat alles einen Grund? Fragen wir schon dann?? Wieviel mehr werden die Angehörigen von Opfern eines Amoklaufs das fragen. Nichts ist ohne Grund! Wie das? Wie soll es dafür Gründe geben?
Um unserer Hilflosigkeit Herr zu werden suchen wir dennoch nach Gründen. Und uns Lehrerinnen und Lehrer nervt schnell, wenn unter den Gründen auch wir und unsere Institution Schule zu finden ist: Wenn unsere pädagogische Fürsorge vermisst oder gar unsere präventive Aufsicht gefordert wird. Können wir nicht schon mögliche Kandidaten im voraus herausfiltern und ihnen unsere beondere Aufmerksamkeit schenken? Oh ja, ein Stigmatisierter wird sicher seiner Rolle gerecht werden wollen und unsere pädagogische Bemühung belohnen, in dem er uns wie eine Schlange durch die Finger gleitet, um sein Werk um so besser zu verrichten. Wie groß wäre der Erfolg, uns trotz unserer Aufmerksamkeit belogen zu haben und zu seinem Ziel gekommen zu sein, dass sich schon seit Jahren im Reifungsprozess befand. Man stelle sich vor, wir bilden eine Beratungsgruppe für besonders Amok gefährdete Jugendliche. Warum melden wir sie nicht gleich zu einem Sommerurlaub in einem vorderasiatischen Terrorcamp an? Ist es pädagogisch nicht sinnvoller von der Normalität unseres Zusammenlebens auszugehen, in der Terror keinen Platz hat? Wollen wir wirklich unser Leben auf den Ausnahmefall einstellen? Ist es nicht eventuell hilfreicher, die Denk- und Handlungsbemühung schon vorher abzubrechen? Kann es kein Ansatz sein, zu sagen: Dies ist ohne Grund? Es ist bodenlos. Es ist ein Satz vom Grund: nämlich ein Sprung in den Abgrund! Alles Gründe forschen gibt den Tätern recht! Es lässt die Taten nicht als das erscheinen, was sie sind: sinnlos, abgründig, irrsinnig… Alles Gründe forschen gibt den Tätern recht. Gründe rechtfertigen ihre Tat. Daher: Kein Andenken der Tat! Gründe rechtfertigen die Täter. Daher: Streicht ihre Namen aus dem Gedächtnis der Menschheit. Es kann nur einen Lohn geben: Sie vergessen! (Daher werde ich jetzt auch kein Wort über die Opfer schreiben, weil ich sie nicht neben die Täter setzen möchte.)
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“Use your head, teach!”
By claude | Februar 22, 2009
So wird in England in der U-Bahn für den Lehrerberuf geworben! Wenn wir dem WIRTSCHAFTSTEIL der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” von heute glauben dürfen, dann ist nun auch der Imagewandel für uns Lehrer in Deutschland dran.
Wir werden umworben! In Baden-Württemberg grüßen uns freundliche Plakate: “Sehr guten Morgen, Herr Lehrer! Jetzt bewerben…” (Ich kommentiere diese Plakate ausnahmsweise einmal nicht aus Sicht, der Gleichstellungsbeauftragten. Wer weiß, vielleicht gibt es in Ostfriesland Plakate mit der Aufschrift: “Moin, moin, Fru Lerrerrien!” Oder das Kultusministerium hat erkannt, dass gerade an männlichen Pädagogen Mangel herrscht und hat absichtsvoll auf die weibliche Form verzichtet!)
Warum werden wir umworben? Wurde endlich einmal wieder verstanden, dass Bildung nicht ohne und gegen Lehrerinnen und Lehrer zu machen ist? (So ähnlich wie der Staat langsam kapiert, dass es Kinder nicht ohne Eltern gibt und man daher diese unterstützen sollte!) Wir werden umworben, weil es uns bald nicht mehr gibt. Das zeigt die Alterstruktur unseres Berufsstandes: 1984 waren mehr als 50% aller LehrerInnen zwischen 30 und 40 Jahre alt Damals waren nur etwas merh als 10% über 50!). Heute sind mehr als 50% älter als 50 (Heute sind kaum 15% zwischen 30 und 40.)! Wir werden umworben, weil sie uns wieder brauchen! Wir haben Konjunktur! Wer weiß, demnächst dürfen wir sogar unser Arbeitszimmer wieder steuerlich geltend machen?
Wir werden umworben! Wie das Beispiel anderer Länder zeigt, liegt jedoch die Beliebtheit am Lehrendenberuf (Ich habe gerade einmal keine Lust auf eine männlich dominierte Sprache!) nicht an der Bezahlung, sondern am gesellschaftlichen Ansehen. Mich freut daher heute schon mal, dass wir Lehrer-innen es in den Wirtschaftsteil der FAZ geschafft haben! Wer weiß, am Ende gibt es bei RTL noch die Sendung “Deutschland sucht die/den Superlehrer/in!” Oder gibt es sowas schon?
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Obermeier, nicht Uschi
By claude | Februar 21, 2009
Fastnacht ist lustig. Nach dem Umzug in unserem Ortsteil dürfen an der Schule meiner Töchter die Eltern immer für die Bewirtung sorgen. Ist echt lustig. Zuerst habe ich eine Stunde lang Rindswurst verkauft, wegen der Vielfalt in einer Multikultigesellschaft gibt es keine Schweinewürstchen mehr. Vielleicht wäre ja schon schon die Frage: “Rinds- oder Schweinewurst?” eine leitkulturelle Zumutung? Vielleicht gab es aber einfach auch nur einen Topf, weshalb auf Schweinewürstchen verzichtet werden musste, weil nur eine Schweinswurst inmitten vieler Rindswürste diese alle quasi ethnisch versaut hätte…
Dann habe ich beim Bierstand Gläser gespült, dabei habe ich mir gedacht, dass es manchmal gut ist, wenn man nicht weiß, wie sie gespült werden. Mit kaltem Wasser, dass nicht eben oft gewechselt wird, ist nicht lustig. Ich habe mir aber trotzdem Mühe gegeben, ordentliche Spülergebnisse zu erzielen. Immerhin durfte auf dem Schulhof Bier und Sekt verkauft werden, was unsere Schulbürokratie normalerweise strickt untersagt. Aber an Fassenacht darfs halt doch mal lustig zugehen. Überhaupt kann man viele lustige Begebenheiten beobachten, wenn man so vor sich hin spült. Frauen, die das erste mal Bier zapfen. Männer, die ganz unlustig auf das Erreichen des Eichstrichs beim Gezapften achten. Ja und dann gibt es noch den SEB, halten sich für die SchulElternBeletage, verhalten sich aber oft wie die SchulElternBerserker. Ich war so mitten drin in meinem lustigen Spültreiben, als eine Frau in meinem Rücken auftauchte, wo denn der Herr Claude sei, er habe sich für den Abbau einteilen lassen und jetzt solle er BITTE (!) die Biertische in den Keller räumen. Vielleicht war ich beim Spülen wirklich etwas in Gedanken und nicht lustig genug auf Zack, aber so wollte ich mich dennoch nicht anmachen lassen. “Wer sind denn Sie?” fragte ich und bekam die Antwort: “Obermeier, SEB!” Oh, ha, das saß. Ich ließ den Spültisch Spültisch sein und trug still und leise Biertische in den Keller, immerhin hatte Frau Obermeier vom SEB gesprochen. Mir blieb nur der kleine gewaltlose Widerstand in mich hineinzukichern: Obermeier, leider nicht Uschi.
Bleibt natürlich nachzutragen, dass erstens die ganze Geschichte, besonders meine Reaktion am Schluss, völlig frei erfunden ist. Die Frau Obermeier, war keine Frau, sondern ein Mann, der Althuber hieß und natürlich war er auch nicht vom SEB und übehaupt geht es auf Fastnachtsfeiern lustig zu und alle Eltern, die in der erfunden Geschichte irgendetwas gemacht haben, haben es freiwillig gemacht und es hat ihnen Spaß und Freude bereitet.
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Geschlossene Gesellschaft
By claude | Februar 20, 2009
Eine Kollegin bat einen Kollegen und mich, einen Klassentag durchzuführen, weil in der Klasse einige neue Kolleginnen und Kollegen eingesetzt wurden, bei denen sich die Schüler anscheinend sehr daneben benahmen. Weil es immer weniger Klassenleiterstunden gibt und die pädagogische Arbeit vom Klassenlehrer kaum allein zu leisten ist, bieten wir nach Bedarf eben solche pädagogischen Tage an.
Es war für uns beide beeindruckend zu sehen, wie groß der Hunger nach Gespräch bei den angeblich so schwierigen Schülern war. Sie ließen sich nicht nur auf unser Programm - mit einer Mischung aus Selbstreflexion und Interaktion - ein, sondern entwickelten selbst eigene Ideen für die Weiterarbeit an der Klassengemeinschaft. War vorher eine resignierte Stimmung bei einigen Schülern zu spüren, so kaum plötzlich frischer Wind in die Klasse. Selbst diejenigen, die angeblich zwar groß sind in der Unterrichts(zer)störung, bekannten sich offen zu einigen Situationen in denen sie Mist gebaut hatten.
Unsere Vorgabe, sich gegenseitig Feedback zu geben und an einzelne Schüler gerichtet, genaue Situationen zu benennen, zu sagen, wie diese bei einem selbst ankamen und dann einen Wunsch an die betreffende Person zu äußern, konnten die Schüler auch gut umsetzen. Aber dabei wollten sie nicht stehen bleiben, sie wollten noch mehr tun, nicht nur wieder ihren guten Willen bekunden und dann halt schauen, ob sich etwas ändert. Sie wollten (absolut aus eigenem Antrieb!) Briefe an die Lehrer schreiben, die sie besonders geärgert hatten und darin für ganz bestimmte Vorgänge um Entschuldigung bitten. Eine tolle Sache, wie wir Lehrer fanden, zumal dies nur die unterschreiben sollten, bzw. wollten, die involviert waren.
Nun kommt der Anlass für diese Einlassung in der Öffentlichkeit des weltweiten Netzes:
Wir sprachen im Auftrag der Schüler die entsprechenden Lehrer an, um diese zu bitten, die Briefe ernst zu nehmen. Alle Kollegen und Kolleginnen, mit denen wir redeten, reagierten pikiert, besser noch angepisst. Wir hatte eine heilige Kuh geschlachtet, die geschlossene Gesellschaft war geöffnet worden. Ein ganz, ganz kleiner Schritt hin zu einer, ein klein wenig offeneren Gesellschaft und zu ein bisschen mehr Transparenz, wurde mit großer Angst und Verunsicherung zurückgewiesen. Alle Kollegen mussten betonen, dass sie sowieso keine Probleme haben. Keiner wollte andererseits den Schüler (und uns) nur ansatzweise Zutrauen, dass sie wirklich an sich gearbeitet haben. Schade.
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Was zeichnet meine Schule aus? Neuer Wettbewerb gestartet!
By admin | Februar 2, 2009
Heute möchte ich auf ein Projekt in eigener Sache hinweisen:
Die Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung veranstaltet zum dritten Mal gemeinsam mit dem Markenverband den Schulwettbewerb „Mission Marke“. Mitmachen können alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13 an allgemeinbildenden Schulen – sowohl allein als auch im Team. Das Motto lautet in diesem Jahr „Meine Schule als Marke”.
Was zeichnet meine Schule aus? Was sind ihre Stärken? Wie kann auf diese Stärken aufmerksam gemacht werden? Mit diesen Fragen sollen sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen. Aufgabe ist es, für die eigene Schule einen Markennamen, ein Markenzeichen, einen Slogan und einen Werbeplan zu erstellen und die Ideen auf bis zu zwei DIN-A4-Seiten zu dokumentieren.
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern winken viele attraktive Geld- und Sachpreise: Die Siegerklasse wird zu einer Exkursion „Hinter die Kulissen“ bei einem Markenunternehmen in Hamburg oder Berlin eingeladen und erhält noch 1.000 Euro für die Klassenkasse dazu. Einsendeschluss für die Wettbewerbsbeiträge ist der 30. April 2009.
Mehr dazu unter www.mission-marke.de
Anregungen für den Unterricht und eine Wettbewerbsbroschüre mit Arbeitsblättern zur Erarbeitung des Themas können als PDF-Dateien unter www.mission-marke.de/files/697/Wettbewerbsbroschuere.pdf heruntergeladen werden.
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Backe, backe Kuchen
By claude | Januar 16, 2009
Mit beiden Backen mampfend hatte sie das Klassenzimmer verlassen, Kuchen aus der hohlen Hand essend. Krümel säumten ihren Weg vom Klassenraum zum Pausenhof. Ich fühlte mich an Hänsel und Gretel erinnert. Versuchte sie eine Spur zu legen, um den Weg zurück zum Unterricht zu finden?
Ich sprach sie an: “Habt ihr heute Geburtstag gefeiert?” “Nein, der Tobi kam zum dritten Mal zu spät, dafür musste er einen Kuchen backen.”
Aha, denke ich, früher hat man Verspätungen einfach im Klassenbuch notiert und nach der dritten wurden die Eltern informiert. Die Schülerin will weiter, fragt aber nett: “Wollen Sie auch eins, in der Klasse gibt es noch mehr?” “Wie das?” will ich wissen. “Hat denn der Kuchen von Tobi nicht geschmeckt?” “Doch, doch!” wird geantwortet. “Der war gleich weg. Aber Tina musste auch einen Kuchen backen, weil ihr Handy im Unterricht geklingelt hat!” Belustigt frage ich weiter: “Und hat außer Tobi und Tina auch noch Andy und Sandy einen Kuchen mitgebracht, weil sie vielleicht ihre Hausaufgaben vergessen hatten?” “Nein!” Sagt meine Gesprächspartnerin. “Aber unser Lehrer war selbst dran, weil er die Kursarbeit seit drei Wochen nicht zurückgegeben hat!”
Aha, denke ich, hätte der lieber statt bei Sarah Wiener in die Backschule zu gehen mal einen kleinen Abstecher am Schreibtisch vorbei gemacht. Ich verabschiede mich von meiner Informatin und gehe in meinen Unterricht.
Viele enttäuschte Augen sehen mich an. Wieder keinen Kuchen in meinem Unterricht. Statt dessen motze ich einen Schüler an, der eine Tüte Haribo Colorado auf dem Tisch liegen hat: “Pack das Zeug weg, wir sind hier doch nicht beim Picknick!”
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Wir sind Schule!
By claude | Dezember 3, 2008
Wir sind Schule. Wir sind gut. Wir sind eine gute Schule.
Alle. Alle sind wir Schule. Auch du bist Schule.
Wir sind unsere Schule. Alle machen wir Schule. Gemeinsam. Miteinander. Schule. Wir.
Wir lassen einander ausreden.
Wir hören einander zu.
Wir achten einander.
Wir helfen einander. Wir sind sind gut. Alle miteinander. Gemeinsam. Wir.
Wir sind eine gute Schule. Wir sind gut.
Lass mich ausreden. Lass mich sofort ausreden.
Hör mir zu. Hör mir sofort zu. Und hör sofort auf.
Hör jetzt sofort auf und hör sofort zu.
Wenn du nicht gleich aufhörst. Hör auf und lass mich ausreden.
Hör sofort zu. Wenn du jetzt nicht sofort damit aufhörst hörst du auf eine gute Schule zu sein und bist keine Schule mehr und gehörst nicht mehr zu unserer guten Schule du gehörst hier sofort aufgehört und wo anders hin.
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Der Gastgeber
By Juergen | November 22, 2008
Gerade in Zeiten von PISA, in denen wir uns in Deutschland von Bildungskommissaren aus Costa Rica sagen lassen müssen, wie rückständig und asozial unser ganzes Bildungssystem ist, kommt einigen wenigen Leuchttürmen ganz besondere Bedeutung zu.
Vor kurzem war ich auf einer Fortbildungsveranstaltung. Dort wurde den Teilnehmern ein Film vorgeführt, in dem eine Schule gezeigt wurde, die all das richtig macht, was andere falsch machen. Die Individualisierung des Lernens stehe im Vordergrund, wie uns der Schulleiter dieser Musterschule, in der es keinerlei Konflikte oder Probleme zu geben scheint, immer wieder klarmachte. Der Lehrer sei dort “Gastgeber” für die Schüler, befinde sich als erster im Klassenraum, die 45-Minuten-Stunde sei abgeschafft, gleitende Stundenzeiten förderten die Eigenverantwortung der Schüler, die kommen können, wann sie wollen. Eine Schule ohne Leistungsdruck mit dennoch besten Leistungen, wie versichert wurde. Zelte werden da im Unterricht aufgeschlagen als Rückzugsorte der Schüler, die es sich auf Matratzen statt auf harten Stühlen bequem machen können, um dort die Bildungsgüter nur so in sich aufzusaugen. Man gewinnt den Eindruck: Das, was der real existierende Sozialismus nicht geschafft hat, hat eine Modellschule in Reinkultur feriggebracht! Es gibt keine “Auslese” von Schülern, nein: Jeder wird dort abgeholt, wo er steht, und man hilft sich gegenseitig, zuerst natürlich ist der Lehrer nicht der fiese frontal angreifende Korrektor, sondern der “Gastgeber”, der Freund und Helfer.
Er wartet in einem Raum mit einigen Arbeitsecken wie ein Bibliothekar auf die nach und nach eintrudelnden Schüler, die sich sogleich ans Werk machen und in Büchern blättern. Der Leher scheint eine ruhige Kugel zu schieben, da es sich bei seinen Schülern um Autodidakten zu handeln scheint. Eine Seelenruhe in dem Raum, geradezu andächtig verfolgen die Kinder ihre Ziele. Freilich tummeln sich nicht 30 von ihnen in dem Raum, sondern es verlaufen sich eine Handvoll in dem Lesesaal.
Blick ins Lehrerzimmer: Hier muss sich der Betrachter, der aus ärmlichen, sprich normalen Schulverhältnissen kommt, schon zusammenreißen: Auch dies ein Hort der Muße, in dem sich hin und wieder Lehrer treffen, um in entspannter Atmosphäre über ihre neuesten didaktischen Geniestreiche zu parlieren. Ein Paradies, und dies mitten in Deutschland! Wie oft gibt es das in unserem Land? Einmal? Zweimal?
Neue Szene: Ein bärtiger Lehrer in Hausschuhen sitzt mit Fünftklässlern im Kreis auf dem Boden und möchte Wissen über einen berühmten Komponisten vermitteln. Er tut dies im Stile eines Märchenerzählers, der hin und wieder die gebannt zuhörenden Schüler als Stichwortgeber seiner Ausführungen benutzt. Das also ist wahre Schülerorientierung. Man kann es auch Lehrervortrag im Sitzkreis nennen. Wirklich originell.
Andere Situationen: Die vorgeführte Schulgemeinschaft lernt - wir haben es geahnt - nicht für die Schule, sondern für das Leben. Man backt Kuchen, man sucht Druckerläden auf, man sieht kleine Daniel Düsentriebs in Werkstätten beim Tüfteln. Man sieht fröhliche Gesichter und einen sichtlich stolzen Schulleiter, der sich als letztes Relikt eines herkömmlichen Lehrerimages das Lacoste-Poloshirt aufgehoben hat, das er im Film trägt. Dieser Mann, so der Eindruck, hat es geschafft: Sich aus kleinen Schulverhältnissen durch einen unbändigen Willen nach ganz oben in den Olymp der Vorzeigeschulen vorgearbeitet. Es ist eine Einstellungssache, wie man als Lehrer Schule begreift. Worte wie Geld, Lehrplan, Klassengröße, Leistungsbewertung kommen schlichtweg nicht vor. Zumindest spricht der Herr Direktor nicht über Geld, vermutlich, weil man es halt zur Verfügung hat. Auch nicht über Klassengrößen, weil man immer nur sehr wenige Kinder im Bild sieht, kaum mehr als 15 pro Lerngruppe. Auch Lehrpläne scheint man sich an dieser Schule selbst zu geben, sogar auf jedes einzelne Kind zugeschnitten. Chapeau! Und da dieses System bei allen Schülern zu Höchstleistungen führt, sind auch Lernkontrollen völlig überflüssig, denn diese wären nichts weiter als die eindrucksvolle Bestätigung der offenkundigen Erfolge!
Der Film endet. Die Betrachter müssten sich eigentlich nun wie winzig kleine Würstchen, nein, Amöben fühlen, da es ihnen offenbar an diesem Pioniergeist und dem Einfühlungsvermögen, der Willenskraft und dem pädagogischen Geschick fehlt. Jeder ist seines schulischen Glückes Schmied, suggeriert der Film. Er zeigt den “neuen Schüler”, den diese Art von Schule kreiert: den Gast. Und der Lehrer ist hier kein Wissensmaganger, sondern schlicht “Gastgeber”. Es werden aus dieser Schule dereinst Nobelpreisträger hervorgehen, zumindest aber Intellektuelle und Global Leaders, die uns sicher auch Finanzkrisen und dergleichen in Zukunft ersparen. Der Film wartet zudem mit einer quasi religiösen Sprache auf, beschwördend, suggestiv. Nur eines vermisst der kritische Betrachter in der Schule und der Art ihrer Vorstellung: Selbstkritik. Kein Wort von möglichen Startvorteilen gegenüber anderen Schulen, kein Wort über Konflikte, die es wohl an allen Schulen dieser Welt gibt, kein Wort zu einem Zusammenschnitt von “Highlights”, die in dieser Form schwerlich alltäglich sein dürften. Nein, wir sehen eine “Schöne neue Schulwelt”. Nach dem Film sehne ich mich nach meinen Schülern, die Unbehagen vor Lateinvokabeln verspüren und für ein gutes Fußballspiel noch jede Hausaufgabe links liegenlassen. Bei weltlichen Heilsversprechen ist Vorsicht geboten!
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“Die Anstalt” als Hörbuch
By admin | November 10, 2008
Der Lehrerblog “Die Anstalt” erfreut sich einer großen Fangemeinde unter Kolleginnen und Kollegen, die wissen, wovon die drei sprechen.
Daher bieten wir euch in diesem Jahr die Möglichkeit, “Die Anstalt” als Hörbuch unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Notleidende Lehrerinnen und Lehrer gibt es hier und heutzutage genug.
Wer einem lieben Kollegen die Korrektur der Klassenarbeiten in den Ferien versüßen will, kann das tun!
Und hier schon mal eine Hörprobe zur Einstimmung:
http://www.jugend-und-bildung.de/files/692/12_Homeoffice.mp3
Bestellung über http://www.jugend-und-bildung.de/webcom/show_article.php/_c-10/_nr-521/_p-1/i.html
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Herr Biedermann als Anstifter
By claude | November 2, 2008
Kennt ihr das auch bei euch an der Schule? Ganz normale Biedermänner (-oder frauen) werden zu unkollegialen Brandstiftern? Wie das geht? Ganz einfach! Es folgen ein paar Hinweise:
Man fragt ganz unbedarft in einer Klasse: Na, wie war eure Mathearbeit? Was? So schlecht? (Nun kann man langsam beginnen, dürre Äste für einen kleinen Scheiterhaufen zu sammeln.) Hat denn der Herr Kollege nicht genügend mit euch geübt? (Jetzt ordentlich die Äste aufschichten.) Wie war denn die Arbeit davor? Was? Auch sooo schlecht? (Es folgen die Zündschnüre.) Hat er denn die Arbeit rechtzeitig angekündigt? Stand sie denn überhaupt im Klassenbuch? Sagt mal, habt ihr nicht in der Woche noch mehr Arbeiten geschrieben? Wie viele waren das denn? (Nun noch ein wenig Brandbeschleuniger.) Ich gebe euch einen Tipp! Wozu habt ihr einen Klassensprecher gewählt? Der kann doch einfach zur Schulleitung gehen und nachfragen, ob der (gemeint ist der Kollege) die Arbeit überhaupt in der Woche schreiben durfte. Fragen kostet nichts. Außerdem lernt ihr, euch für eure Rechte einzusetzen. Das ist gaaanz wichtig! (Inzwischen ist es Zeit, in der Nähe der Zündschnüre mit Feuersteinen Ravels Bolero im richten Takt zu klopfen.) Ihr könnt ja zu Hause auch mal mit euren Eltern sprechen, ob man da nichts machen kann. Wozu ist denn der Elternbeirat da? Am besten das Thema wird auch mal beim nächsten Elternabend besprochen. Da können eure Eltern auch mal abstimmen, ob sie das Thema nicht lieber auch mal in den Schulelternbeirat bringen möchten. Da kann man euer Thema auch mal ansprechen. (Am Ende dieser interessanten und lehrreichen Unterrichtsstunde, - die auch mal vom Steuerzahler finanziert wurde - , kann man sich miteinander am flackernden Feuerchen wärmen.) Seht ihr, das war doch gut, dass ihr das Problem hier in der Klasse - unter uns - benannt habt. Ich behandle die Sache wirklich vertraulich, ehrlich, da braucht ihr wirklich keine Angst zu haben. Ihr könnt wirklich alle Themen immer bei mir loswerden.
Nachsatz: Man hat aus wie immer gut (?) unterrichteten (??) Kreisen gehört, es soll sogar Schüler geben, die diese Unterrichtsvernichtung von unvorbereiteten Lehrern auf Kosten eines Kollegen durchschauen.
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Neues Medienpaket
By admin | Oktober 20, 2008
Heute möchte ich ein Projekt in eigener Verlagssache vorstellen und empfehlen:
Das Medienpaket “Wir in Ost und West” beinhaltet ein Schülermagazin, eine Lehrerinfo zum Download und den Internetauftritt mit interaktiven Lernspielen und einem Schülerwettbewerb, einer Foto-Community und Storyboard für junge Autoren.
Das Schülermagazin gibt 15-17-Jährigen Denkanstöße für die Identifikation mit ihrer Heimatregion und führt sie an die Notwendigkeit des persönlichen und gesellschaftlichen Engagements in einer funktionierenden Demokratie heran. Die Kapitel ‘Mein Land’, ‘Meine Region’ und ‘Mein Engagement’ lenken die Auseinandersetzung mit dem individuellen Lebensziel von der Frage nach typisch Deutschem über die Gegebenheiten der Heimatregion hin zum Verständnis eigenen Engagements.
Mehr dazu unter www.wir-in-ost-und-west.de
Und wer gleich einen kostenlosen Klassensatz bestellen möchte, kann das hier tun:
Schülermagazin im Klassensatz (25 Stück) kostenlos bestellen
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Elternstammtisch
By claude | Oktober 4, 2008
Als ich in der fünften Klasse war, hatte ich für meine große Ode “Robinson Crusoe” nur Lacher, aber keinen Preis gewonnen. Der Anfang lautete “Robinson Crusoe liegt am Strand ohne Hose…” Den ersten Platz in unserer Klasse machte ein Gedicht mit vollendeteren Reimen, womit meine Klassenkameraden ihren Sinn für lyrische Harmonie bewiesen, jedoch keinen Sinn für “blumig statt Logik”, wie Jean Paul gesagt hätte. Nach dem Vortrag des Siegergedichts sagte der Lehrer übrigens: “Da hat wohl die Mama ein wenig mitgeholfen!?” Womit er richtig lag und wir fast beim Thema wären.
Es wird viel darüber diskutiert, warum viele Millionen Euro Geld in die Bezahlung von Nachhilfestunden fließen. Niemand scheint sich jedoch dafür zu interessieren, wieso viele Millionen Stunden Zeit in die Hausaufgabenbetreuung durch Eltern gesteckt werden. Es ist selbstverständlich.
“Wie habt ihr die Erdkundeaufgabe hinbekommen?”
Wird in die Runde des Elternstammtisches gefragt. Diese Börse für wichtige Hinweise zur Bearbeitung der Hausaufgaben ist für manche Eltern ein Muss. Für meine Frau und mich auch. Bei der Frage nach Erdkunde fällt keinem von uns ein, dass nicht die schülernden Kinder gefragt sind, sondern, die ihre schülernden Kinder fördernden Eltern. Ja? Wie habe ich die Erdkundeaufgabe hinbekommen…? Ich gerate ins Grübeln und die Erinnerung stellt sich schnell ein. Das war abends vor der Geigenstunde meiner Tochter…, sie nutzte die Wartzeit, um schon mal mit Erdkunde anzufangen…, ich konnte nur leicht dirigierend eingreifen, während sie die Bundesländer ausschnitt und versuchte, diese in ihr Heft klebend, zusammenzupuzzlen. “Wo hast du Mecklenburg-Vorpommern?” Fragte ich vorsichtig. “Wahrscheinlich verloren!” Antwortete sie unbekümmert. Auch das Saarland war unauffindbar. Berlin tauchte nur als Loch in Brandenburg auf. Von Hamburg und Bremen ganz zu schweigen. Ich hasse diesen wirren Föderalismus. Warum nicht ganz simpel: Nordland, Westland, Ostland, Südland? Fertig! Warum nicht nur die Hauptstädte: Hamburg, Köln, Berlin, München? Basta! Ich sah mich schon in einen Copyshop laufen und altes Papier aus einem Müllkarton suchen, das in etwa der vielfach reproduzierten Vorlage der fehlenden Bundesländer gleich kam. Ich hatte jedoch eine bessere Lösung, die ich stolz den anderen Eltern präsentierte: “Ich habe die fehlenden Länder einfach ins Heft gezeichnet!”
“Was hast du g e m a c h t?”
“Kennst du nicht die Erdkundelehrerin und ihre pingelige Art?” Oh Gott, ich sackte etwas in mich zusammen und beschloss an diesem Abend keine Hinweise mehr auf unsere Hausaufgabenanfertigung zu geben. So schnell lass ich mir nicht mehr in die Karten gucken. Selber schuld, das haben die davon. Etwas beleidigt ging ich noch mal unsere derzeitige Hausaufgabenverteilung durch… Eigentlich ist sie recht gut in Schuss gekommen… Ich habe vollständig Mathe übernommen, nachdem meine Frau im Selbstversuch angefangen hatte, Säulendiagramme mit Lego nachzubauen, um sie besser zu verstehen, bevor sie diese zu erklären versuchte. Dafür darf ich jetzt kein Englisch mehr, weil meine Frau der Meinung ist, mein “th” klinge, wie wenn der Franz seine “Sissy” ruft. Auch in Deutsch läuft es jetzt nach ein paar Ordnungsrufen meiner Frau “Schatz, nicht vor den Kindern!” besser. Jetzt sage ich beispielsweise: “Ich gehe gleich hinauf ins Fußballstadion zu einem Heimspiel von der Mannschaft von Mainz Null Fünf!” Bis ich das ausgesprochen habe, hat zwar der Schiedsrichter schon zum Pausentee gepfiffen, aber ich werde nicht mehr angeschnautzt, wie damals als ich noch kurz und knapp sagte: “Ich geh´ nuff zu de Nullfünfwee!” Das ist gestrichen von der Liste. Ich weiß, was mir die Bildung meiner Kinder wert ist, denke ich, während die anderen Eltern immer noch an Erdkunde dran sind.
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VERA 8 - Blues
By marius | September 25, 2008
Neulich nach einer so genannten Fortbildung zu VERA 8 brummte mein Kopf und ich verfiel am Abend in einen Fieberzustand, das Erlebte verdichtete sich zu einer Art Horrortrip. Das Gedächtnisprotokoll ergibt folgendes Kuddelmuddel.
Die Steuerungsgruppe flüstert noch im Irgendwo…Bildungsmonitoring baut sich auf und strahlt uns entgegen…Ausschau nach jungen Kolleginnen für mögliche Abenteuer im nächtlichen Aufgabenpool…Bewerben Sie sich bei unserem QI…Unterrichte, bis du zusammenbrichst und der Arzt dir einen Pilotdurchlauf vom Feinsten verpasst…sitze hier und warte auf dich, hoffend, bangend, gefangen in einer pädagogischen Serviceeinrichtung…Multiplikator bist du selbst, nun in den Fängen zunächst des Ministeriums, dann des Moderators, der Bericht erstatten wird aus der Moderatorengruppe, ohne Atempause mit kleinem Zeitfenster, der Referent, von Termin zu Termin sich abmühend vor diesem renitenten Lehrergesocks, das denkt er doch, oder?…Locker legte er los, jung und dynamisch, viertel Stunde später Schweißperlen auf der Stirn, zunehmend genervt von der Unruhe und dem Verdruss im Auditorium… Letzter Ausweg: Gruppenarbeit… schließlich am Ende blass wie ein Junkie, angefixt von all den Lernstandserhebungen, Hotlines, Internetplattformen, da hilft auch die kognitionspsychologische Fundierung nix, gar nix hilft die, verspricht das Blaue vom Himmel und hält nix, die zwölf Apostel der VERA werden den Lehrpersonen niemals vorgestellt, denn nur die Zwölf können richtige Aufgaben stellen, nämlich halboffen oder/und geschlossen, also Multiple Choice mit nur einer richtigen Antwort, nämlich valid, reliabel und objektiv, jetzt Letzteres im Sinne von: den Beurteileranteil auf Null reduzieren, in dem Moment die Lehrperson entsorgen, ja klar, muss sich keine Sorgen machen, all inclusive vorgedacht, nur noch schnell die Korrektur nach Kodieranweisungen im überschaubaren Zeitfenster erledigen und die Onlineeingabe bewältigen, das muss sie schon leisten, die Lehrkraft, dann zurück nach Landau…und schon geht die Kompetenzdefizitanalyse ihren Lauf.
Der Mensch - ein Kompetenzbeutel, zerschnitten in fokussierbare Einzelkompetenzen, Förderung an Stationen und in Binnendifferenzierung, kostet nix, Zeit genug, Sie schaffen das schon, auch ohne Korrekturtag…Jedenfalls ist das Starsteinchen gefallen, so lautet die Parole… Erschöpft faltet sich der Widerstand am Ende des langen Tages zusammen und zieht jammernd von dannen…Partikel rudimentärer diagnostischer Fähigkeiten und sich schnell verflüchtigender Förderideen schwirren umher und zerplatzen an dem soliden Gemäuer der didaktisch-wissenschaftlichen Messinstrumente, die kein Pardon geben…kein entspannter Abend am Pool…kein Schüler weit und breit…allein.
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Strunz, was bilden ein…
By claude | September 11, 2008
Lieber Jürgen,
gut gebrüllt Löwe, möchte man beinah sagen. Du hast natürlich recht: Eine Schulleitung soll offen und souverän mit Kritik umgehen können. Ach, wäre das schön, fast so schön wie die zivilisierenden Modelle der französischen Revolution, die du gerne zitierst. Wir wissen, die Guillotine war eine Erfindung des Humanismus. Nicht alles ist eben idealistisch lösbar auch bei Idealisten nicht. Ich halte mich da eher an den Realismus eines lutherischen oder wenn du so willst hobbesschen Menschenbildes. Der Mensch ist nicht gut, daher braucht es von Anfang an Leitungsfunktionen. Dann braucht man hinterher, wenn es mit Offenheit und Souveränität nicht klappt auch keine Palastrevolution oder einen Sturm im Wasserglas.
Wenn man sich an wirklich große Vorbilder hält, sollte man manchmal einfach feststellen: “Strunz, was bilden ein, Spieler spielen wie Flasche leer…” Ich gehe also auf deine Kritik ein und behaupte nicht mehr runter auf plus minus Null gerechnet: “Jeder hat seine Stärken und Schwächen!” Nein, Jürgen du hast recht, es gibt Lehrer und Schulleitungen “wie Flasche voll” und es gibt Lehrer und Schulleitungen “wie Flasche leer”.
Reden wir zunächst über “Flasche voll”: Ein französischer Automobil-Boss wurde einmal gefragt, warum sein Schreibtisch so leer sei. Er antwortete. “Mein Schreibtisch ist deshalb leer, weil jedes Dokument hier auf meinem Schreitisch ein Zeichen meines Misstrauens wäre. Mit allen Papieren, die nicht hier auf dem Schreibtisch liegen, arbeiten meine Leute.” So läuft Leitung von Leitern “wie Flasche voll”: Vertrauen, delegieren und zum Schluss, Ergebnisse kontrollieren. Wie sagst du Jürgen? Offen und souverän halt eben.
Was ist mit Lehrer (ich lasse jetzt mal die Schulleitung aus) “wie Flasche leer”? Jürgen Kaube schrieb mal in der FAZ, dass es zwei Formen der Unterrichtsstörung gibt, die einfache Störung, wie Schwätzen, aus dem Fenster gucken etc. und dann gibt es noch die zweite Störung, bei der der Lehrer und sein Unterricht Gegenstand der Beurteilung durch Schüler wird. Jürgen Kaube sagt, das erste Verhalten weicht von den Erwartungen der Schule ab, das zweite will von den Erwartungen der Schule abweichen. Strunz, was will sagen? Oder, was meinst du Jürgen, sollen die Schüler “Lehrer wie Flasche leer” ins Altglas werfen oder sich gar noch eine neue Pfandflasche mit Rückgabegarantie besorgen dürfen? Strunz, was bilden ein? Ich sage: Das dürfen die Schüler nicht, weil es nunmal auch schlechte Lehrer gibt, bzw. die Beurteilung über die Güte des Unterrichts so unterschiedlich ausfällt, dass nie mehr auch nur noch eine anständige Unterrichtsstunde ob all der Diskussionen mit unseren Schülern stattfinden würde, es sei denn vielleicht, die Lehrer hießen, Jürgen, Marius oder Claude.
Genauso halte ich es auch mit den Schulleitungen, egal ob “wie Flasche voll”, “wie Flasche leer” oder “wie Flasche halb voll oder leer”, wir brauchen sie, manchmal müssen wir leider mit ihr leben, wenn sie unsicher und ängstlich ist, manchmal dürfen wir glücklicherweise mit ihr zusammenarbeiten, wenn sie offen und souverän ist, aber niemals hoffe ich, dass ein Kollegium bestimmen darf, wer Schulleitung spielen darf, dann gäbe es erst richtig Mord und Todschlag, ach nein, zivilisiert gedacht, die Guillotine.
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… den bestraft das Schulleben
By Juergen | September 9, 2008
Lieber Claude!
Dein Beitrag reizt mich, den advocatus diaboli zu spielen und ein wenig zu polemisieren - ich hoffe, ich darf das nach einem kräftezehrenden Schultag, sozusagen als Stressabbau. Du diagnostizierst einen geradezu jakobinischen Meinungsterror, der den Frust auf “die da oben” schüre, gehst aber nicht darauf ein, ob die Kritiker, die die Schreckensherrschaft im Lehrerzimmer ausüben, inhaltlich richtig oder falsch liegen. Dein Schlussabsatz relativiert letztlich alles: Jeder tut Gutes wie Schlechtes, und dabei unterscheiden wir uns nicht, so das Credo. Gewiss, auch Marie-Antoinette, die Frau Ludwigs XVI. von Frankreich, konnte charmant sein und hatte ihre Reize - aber wiegt das ihre Verschwendungssucht und den miesen Charakter auf, der sich in Ratschlägen an die hungernde Bevölkerung à la “Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen essen” äußerte? Kann man alles auf plus/minus Null herunterrechnen nach dem Motto: “Jeder hat seine Stärken und Schwächen”, also: Was soll’s?
Mit dem Vorwurf der verdeckten und damit bequemen Anklage hast Du sicher nicht ganz unrecht. Ich denke aber, es gibt auch eine Alternative zum “Meckern, wenn die Betroffenen nicht anwesend sind”. Sie wird mitunter auch praktiziert: Vorgesetzte direkt kritisieren. Dumm nur, wenn diese Form der Offenheit von den Betroffenen nicht goutiert, sondern mit Drohgebärden beantwortet wird. Man kann eben eine Kultur der offenen Debatte pflegen oder verhindern. Erstere ist oft ein Indikator für souveränen Führungsstil, deren Verhinderung für Unsicherheit und Angst. Führungspersönlichkeiten sollten in der Lage sein, angemessene Kommunikationsformen zu kultivieren, statt sich der Perfektionierung von Kontrollmechanismen zu verschreiben.
Wer dies als Schulleiter zu spät erkennt, den bestraft das Schulleben. Bleibt zu hoffen, dass die weisen Lenker der Schule nicht so autistisch veranlagt sind wie seinerzeit die Herren des Politbüros. Wie gab einer der Ihren in herrlicher Naivität im Einparteienparlament zum Besten - als die DDR am Ende war, bevor es ihre Führer so richtig merkten: “Ich liebe euch doch alle!” Es gab Gelächter.
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Was ist Opportunismus?
By claude | September 7, 2008
Jürgen hat in seinem vorletzten Beitrag geschildert, wie die Machtmechanismen in der Schule funktionieren. Dabei spielen auch die Kollegen eine wichtige Rolle, die sich zu Hilfsorganen der Schulleitung machen (lassen). Man kann das sehr treffend als Opportunismus bezeichnen.
Mir geht im Moment bei uns im Lehrerzimmer jedoch viel mehr eine andere Art von Oppurtunismus auf den Senkel. Es gibt scheinbar nur noch ein Thema: Was hat die Schulleitung wieder angestellt? Alle schimpfen wie die Rohrspatzen und sind sich einig in ihren Urteilen. Warum sind sie sich einig? Auch aus Oppurtunismus vielleicht? Darf man in dieser Runde denn etwas anderes sagen, als dem vernichtenden Konsens zuzustimmen? Sind nicht die lautesten Schimpfer, die sich über Karrieristen lustig machen, gerade die, die sich ihren Oberstudienratstitel vor Gericht erstritten und sich nun auf Studiendirektorenstellen beworben haben? Was heißt da, Rückgrat haben? Heißt das etwa, mit den Kollegen am Lehrer(stamm)tisch ins selbe Horn zu blasen? Heißt Rückgrat haben, immer dann auf die Schulleitung zu schimpfen, wenn keiner von ihr im Lehrerzimmer ist? Wie nannte man das 1968 gleich noch? Ach, ja, repressive Toleranz! Aber die wird ja bekannter Weise nur von den Herrschenden ausgeübt. Die Kollegen am Lehrertisch wissen diesen Begriff trefflich auf “die da oben” anzuwenden, angewendet auf ihren eigenen Diskurs hat dieser Begriff keine Berechtigung. Da wäre wohl auch zuviel Selbstansicht verlangt.
Ich sehe die Sache so: Die Schulleitung soll die Schule leiten und leitet sie, mal schlechter, mal besser. Da passieren manchmal unerfreuliche und manchmal erfreuliche Dinge… Die Lehrer sollen ihren Unterricht leiten und leiten ihn, mal schlechter, mal besser. Im Unterricht passieren manchmal unerfreuliche und manchmal erfreuliche Dinge… Das ist alles. Ach, stimmt ja, man kann, wenn es im Unterricht schlecht läuft auch schimpfen: auf die Schüler. Hauptsache, man ist selbst fehlerlos. Manchmal halt ich mich lieber ans Gesangbuch als an die lieben Kollegen: “Es gilt ein frei Geständnis in dieser unserer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit…”
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Sachkunde?
By claude | September 7, 2008
Meine Tochter hat in Sachkunde eine Ich-Mappe erstellt. Sehr gut gelungen. Komisch nur, dass so etwas in Sachkunde gemacht wird. Ist das nun die letzte Bastion für Persönlichkeitsbildung? Robert Spaemann, der genau den Unterschied von etwas und jemand markiert haben möchte, hätte daran jedenfalls nicht seine Freude.
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Die Fenster zum Hof
By Juergen | August 28, 2008
Es gibt Institutionen wie Regierungen, denen es in erster Linie um die Wiederwahl geht. Es gibt Institutionen wie das Internationale Olympische Komitee (IOC), denen es hauptsächlich um die Vermarktung geht. Es gibt Institute wie die Banken, denen es um den größtmöglichen Profit geht. Und es gibt Institutionen wie die Schule, in der es zunehmend um Formales geht. Konferenzen drehen sich meist um Organisatorisches, Formales, um Kritik am Nichtfunktionieren. Inhaltliches spielt eine Nebenrolle. Auch die Tätigkeiten des Lehrers sind weit davon entfernt, sich hauptsächlich der Wissensvermittlung zu widmen. Ein Beispiel aus einem Oberstufenkurs mag dies belegen.
Die Stunde beginnt damit, dass eine erkleckliche Anzahl von Schülern nach vorne strömt, weil ich die Fehlzettel, von denen keiner so genau sagen kann, wozu sie dienen, unterschreiben soll. Dort stehen dann so aussagefähige Gründe für die Abweseheit wie “Krankheit”, oft vom Schüler selbst diagnostiziert, und meine Aufgabe ist es nun, dies amtlich zu bestätigen und in meinem Kursbuch, sozusagen in doppelter Buchführung, zu vermerken. Ich erkundige mich spaßeshalber nach der Art der Krankheit und empfehle je nach Schwere Kuren auf der Basis des gesunden Menschenverstandes. Danach stelle ich die aktuelle Abwesenheit bestimmter Schüler fest und protokolliere dies artig in meinem Kursbuch. Alle paar Tage soll ich zudem Berge an Informationsmaterial zur Berufswahl usw. an den Mann bringen, das nach der Stunde zum großen Teil im Papierkorb wiederzufinden ist. Auch Informationen zum Abitur, zu Studienfahrten, zu AGs und Mainzer Allerlei gilt es zu verteilen oder Formulare wieder einzusammeln. Sodann beginnt der Unterricht, der rechtzeitig vor dem offiziellen Ende der Stunde abgebrochen werden muss, damit alles seinen geregelten Gang geht: Schmutz ist ein Problem, dem sich der Lehrer zuzuwenden hat, denn die Zöglinge aus Haushalten, in denen Putzfrauen den Dreck entsorgen, lassen alles fallen, von der Pfandflasche bis zu Brotresten, von Taschentüchern bis zu Liebesbriefen. Grundreinigung ist angesagt, danach das Schließen der Fenster und das Hochstellen der Stühle, um einen Putzfrauenstreik abzuwenden. Auch das kostet Zeit. Im Fußball misst man die Nettospielzeit. Würde man das in der Schule auch einmal praktizieren, so kämen Werte heraus, die, hielte man sich strikt an die Vorgaben von oben, bei kaum mehr als 30 Minuten lägen.
Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt: die Subversion. Auf die Gefahr hin, eine Fehlstunde zu übersehen, erfolgt ein Panoramablick über den Kurs, statt die Namensliste durchzugehen. Manches Werbematerial, dessen Nutzen ohnehin in Zweifel steht und zudem oft von dubiosen Wirtschaftsverbänden stammt, wird unauffällig ins Altpapier entsorgt, wenn man es gehortet und irgendwann vergessen hat. Niemand hat es je vermisst. Man munkelt, dass sich Kollegen mittlerweile ein kräftiges Zubrot damit verdienen, selbst den Müll in den Klassen zu trennen und die dabei anfallenden Pfandflaschen und Wertsachen versilbern; der Mann am Rückgabeautomat mit dem Sack voller Leergut muss also nicht unbedingt ein Penner, sondern könnte genausogut ein Oberstudienrat im Außendienst sein. Die 0,5-prozentige Lohnerhöhung treibt unsereinen ohnehin über kurz oder lang ins Prekariat.
Bleibt also die Problematik der im Sommer weit geöffneten Fenster. Nicht nur, dass sie Fluglärm, Glockengeläut, Pausenhofgeschrei und viele Laute mehr magisch anzuziehen scheinen; nach der Stunde mag sie niemand schließen. Gerade im dritten Stock ist die Gefahr, dass Einbrecher über den Innenhof mit einer langen Leiter einsteigen, um in Klassenräumen altes Mobiliar oder Kreidereste zu stehlen, immens hoch. So begegnete mir ein aufgelöster Kollege vor Beginn der 8. Stunde und bat mich um einen Gefallen: Er habe vergessen, die Fenster im dritten Stock zu schließen - ob ich ihm nicht aus dieser misslichen Lage befreien könne, da ich doch gleich im Gebäude sei. Ich versprach schnelle und unbürokratische Hilfe. Andernfalls zeichneten sich bereits ernsthafte Gespräche mit der Schulleitung, im Wiederholungsfall bestimmt Abmahnungen oder zumindest hässliche Vermerke in der Personalakte - “X. stört den reibungslosen Ablauf des Schulalltags, Fenster wiederholt nicht verschlossen” - ab.
Nach meiner eigenen Stunde ertappte ich mich schließlich wieder einmal dabei, wie zwei Drittel der Schüler aus dem Raum gegangen waren, ohne die Stühle hochzustellen, die Fenster zum Hof waren sperrangelweit geöffnet. Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken der Totalverweigerung: Stühle unten lassen, Fenster offen - ist dies nicht ein Beleg dafür, dass man sich auf Inhalte und damit das Wesentliche konzentriert: den Unterricht? Diesen würdigt niemand. Er interessiert auch die Schulleitung nicht, es sei denn, sie ist für eine Dienstliche Beurteilung dazu gezwungen. Man interessiert sich allerdings akribisch für Pausenaufsichten, Bereitschaftsstunden, Kursbücher, Notenlisten, Umläufe, Sauberkeit des Linoleumbodens, die Pausenhofgestaltung, die Pressemappe, eine Treppe, Fünfjahrespläne und Dienstbesprechungen, letztere, um all dies an den Kollegen und die Kollegin zu bringen. Dabei ist nicht zu verhehlen, dass gerade die akribische Einhaltung von Formalitäten und Regeln - Schüler werden konsequent und massiv am Betreten der Flure in den Pausen gehindert, Verfehlungen unnachsichtig verfolgt, Klassenräume klinisch grundgereinigt - eine weibliche Stärke zu sein scheint.
Ich als Mann hatte aber hier nun wieder einmal den Salat: Der Klassenraum war in Unordnung. Trotz meiner subversiven Gedanken bat ich die vier noch anwesenden Schüler, mir zu helfen, die Stühle hochzustellen, und schloss eigenhändig die Fenster. Ich war ein guter Beamter. Dafür werde ich bezahlt. Genauso wie für guten oder schlechten Unterricht.
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Wer nicht streitet, schimpft!
By claude | August 18, 2008
Das bleibt jetzt aber unter uns, weil … ich habe mich noch nicht getraut, das mit dem entsprechenden Kollegen zu besprechen. Ich unterrichte auch Ethik. Da steht man manchmal mit den Relikollegen schon in Konkurrenz um die Gunst der Schüler, obwohl ich mich mit den Relikollegen oft besser verstehe, als mit meinen Ethik-Fachkollegen. Nun gut. Letztens traf ich eine verschämte Oberstufenschülerin nach dem Unterricht auf dem Gang. Die Begegnung hatte für sie den kleinen Schönheitsfehler, dass sie zuvor bei mir gefehlt hatte. Sie stammelte: “Entschuldigen Sie bitte, Herr Claude (Claude ist nämlich mein Nachname!), ich habe mir heute mal den Reli-Unterricht angeschaut, weil ich gucken wollte, ob ich vielleicht wechsle.”
Ich ärgerte mich: 1. Sie hatte mich nicht vorher informiert. 2. Mein Kollege hatte mich nicht gefragt, ob das in Ordnung geht. Es geht nämlich nicht in Ordnung, dass sich die Schüler den Unterricht anderer Kollegen anschauen, um dann zu überlegen, wo der interessanteste Unterricht gehalten oder die meisten Punkte verteilt werden. Ich war sofort geneigt bei ein paar anderen Kollegen an unserem Tisch zu schimpfen. Stellt dir mal vor, wie unkollegial…, was meinst denn du dazu,… das geht doch nicht,… wo kämen wir denn dahin,… usw. usf.
Ich schimpfte jedoch nicht, weil ich plötzlich dachte: Du willst doch nur schimpfen, weil du Angst hast mit dem Kollegen vielleicht einen Streit zu bekommen, was du nicht willst, weil du ihn magst und du deswegen gehemmt bist.
Diese Selbsterfahrung finde ich sehr interessant, weil ich daraus die Schlussfolgerung zog: Wer schimpft, vermeidet Streit. Das werde ich künftig versuchen abzustellen. Morgen spreche ich mit dem Kollegen. Versprochen!
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Trost für Jürgen
By claude | Juli 23, 2008
Lieber Jürgen,
du beschreibst das Phänomen “Macher” sehr treffend. Aber vielleicht gibt es ein wenig Trost, wenn auch keine Hoffnung.
Meine Lieblingsanekdote aus der Geschichte stammt von König Friedrich-Wilhelm IV. Als 1848 Revolutionäre durch den königlichen Schlossgarten zogen, fragte er seinen Hofmarschall: “Dürfen die das?” Das Beispiel zeigt eindeutig, wie wenig die “Macher” manchmal Einblick in ihre eigenen Möglichkeiten haben. Ist es kein Trost, wenn Leitungen so schlecht beraten sind, dass sie ihre Berater anbetracht auf Tischen tanzender Lehrer fragen müssten: “Dürfen die das?”? Und stell dir mal vor sie sagten: “Das dürft ihr nicht!” Da kommt dann fast schon Hoffnung auf, wenn wir uns ein tanzendes Kollegium vorstellen, oder? Sind Schulleitungen nicht genauso hilflos, wie wir Lehrer mit unseren Schülern?
Noch etwas habe ich Dir zum Trost herausgesucht. Vielleicht kennst du das schon. Das Peter-Prinzip. Laurence J. Peter versteht sich als Begründer der Wissenschaft der Hierarchologie. Ich zitiere aus den Urgründen seines Forschungsgegenstandes:
“Als kleiner Junge hörte ich, dass hochgestellte Persönlichkeiten stets genau wissen, was sie tun. “Peter”, sagte man mir, “je mehr du weißt, um so mehr erreichst du.” Also blieb ich auf der Schule bis zum College-Examen, und als ich ins Berufsleben trat, klammerte ich mich krampfhaft an jene Vorstellung und meine frische Lehrbefugnis. Während meines ersten Unterrichtsjahres regte ich mich darüber auf, dass eine Anzahl Lehrer, Schuldirektoren, Schulräte und Oberschulräte keine Ahnung von ihren beruflichen Pflichten zu haben schienen und sich als unfähig erwiesen, ihre Aufgaben zu erfüllen. So war es beispielsweise die Hauptsorge meines Direktors, dass alle Sonnenblumen an den Fenstern in gleicher Höhe waren,…”
Aus all seinen Beobachtung zum Thema “Hierarchie” leitet Peter sein universales Prinzip ab: “Viele … kommen sicherlich in den Genuss von ein oder zwei Beförderungen und steigen dabei von einer Kompetenzstufe zu einer höheren auf. Die Fähigkeit in der neuen Position qualifiziert … für einen weiteren Aufstieg. Doch bei jedem Individuum, für Sie genauso wie für mich, bedeutet die allerletzte Beförderung den Wechsel von der Stufe der Fähigkeit zu einer Stufe der Unfähigkeit. Genügend Zeit und genügend Rangstufen vorausgesetzt, steigt jeder Beschäftigte bis zu seiner Stufe der Inkompetenz auf und verharrt dort. Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.”
Ach, ich weiß nicht, vielleicht ist das Peter-Prinzip auch kein Trost, Hoffnungslosigkeit drückt es allemal aus. Sind wir selbst in der Lage und haben den Mut auf der Stufe der Fähigkeit zu bleiben, ohne nach oben zu schielen. Es scheint schon ausweglos…
Liebe Grüße von deinem Claude
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Die Macher
By Juergen | Juni 19, 2008
Es sind die Menschen, die das ganz große Rad drehen. Sie sind von sich und ihren Fähigkeiten überzeugt. Keine schlimme Eigenschaft, die aber dann gefährlich wird, wenn sie keinen erkennbaren Grund hat. Doch dies ficht diese Menschen nicht an. Sie sind zu Höherem berufen, und das wollen sie auch zeigen. Schon im Kindergarten werden sie anderen das Spielzeug nicht nur weggenommen haben, sondern waren auch noch stolz darauf. In der Schule waren es die eifrigen Lerner, die in der Schülervertretung saßen, weil es sich im Lebenslauf und bei der Bewerbung um ein Stipendium gut liest. Man hat schon hier zielsicher unter dem Etikett “Interessenvertretung” zuallererst und exklusiv die eigenen Interessen vertreten. Man hat Lehrer nach der Stunde in Gespräche verwickelt, um auch ganz sicher in der Gunst der Mächtigen zu stehen. Und es hat oft funktioniert. Im Studium haben sie zielstrebig auf das Prädikatsexamen hingesteuert, während ihre dummen Kommilitonen das studentische Dolce Vita genossen. Im Referendariat sekundierten jene Menschen ihren Ausbildern, machten alle anderen vor Lehrproben mit hysterischen, gleichwohl gespielten Versagensängsten verrückt, um danach die insgeheim immer anvisierte Traumnote nicht minder hysterisch zu bejubeln. Man bekam natürlich sofort eine Stelle, da man immer fleißig, zielstrebig und anpassungsfähig war. Auch als Lehrer begann man den Dienst, nicht ohne das Augenmerk auf zukunftsträchtige Sonderaufgaben zu richten. Die erste Gelegenheit zur Beförderung nutzte man, und wer wollte solch strebsamen Menschen den Aufstieg verwehren. Irgendwann gelangten diese Menschen ganz nach oben - zumindest bezogen auf den Mikrokosmos mit dem Namen Schule. Als Leiter oder Leiterin einer Schule war man am Ziel der Träume angelangt, um entsetzt festzustellen, dass es Menschen gibt, die nicht mitspielten bei der Selbstinszenierung der Macher: kritische Schüler, anspruchsvolle Eltern und Lehrer, die eigene Ideen haben und die Illusion hegen, diese auch umsetzen zu können. Was ist nun zu tun angesichts dieser feindseligen Welt, die das Lebenswerk des Machers/der Macherin bedroht? Man erinnert sich an absolutistische Herrschaftssicherung:
1) Man schafft sich einen Zirkel treu ergebener Höflinge, die Zugang zum Monarchen haben und dafür mit Gratifikationen aller Art belohnt werden.
2) Man etabliert ein Netz von Informanten, die alle subversiven Aktionen der Untergebenen aufspüren, um diese sodann wirksam unterbinden zu können.
3) Man zentralisiert den Machtapparat mit dem Fürsten als Gesetzgeber, oberstem Richter, Heerführer, freilich durch das Gottesgnadentum legitimiert: Über allem thront der Monarch, der sich in der Sonnensymbolik wiedererkennt.
4) Versuchter Königsmord wird exemplarisch mit der Vierteilung bestraft, als warnendes Beispiel für andere.
5) Alle öffentlichen Verlautbarungen werden überwacht und müssen vorher von dem Monarchen autorisiert werden.
6) Treu ergebene Untertanen werden in den Adelsstand erhoben und dürfen an der Tafel des Monarchen Platz nehmen.
Ein Direktor, der dieses System auf die Schule überträgt, verwendet nun immer mehr Zeit auf die Herrschaftssicherung, weil er sich umzingelt wähnt von missgünstigen Feinden. Auch die Abwesenheit bei einer Dienstbesprechung könnte ja bereits die Vorstufe zu ausgreifendem Ungehorsam sein und muss im Keim erstickt werden. Die Presse lauert und wartet nur auf ein Missgeschick. Passiert dies, ist Totschweigen oberstes Gebot. Auch die Überbringer schlechter Nachrichten sollten sich in Acht nehmen. Ein Macher ist einsam. Er arbeitet mehr als alle anderen, aber es wird ihm selten gedankt. Kritik an irgendeiner schulischen Angelegenheit ist persönliche Kritik am Macher, da er für alles verantwortlich zeichnet. Wie gut, dass es da noch die Möglichkeiten gibt, sich in Reden und schriftlichen Verlautbarungen ans Volk zu wenden, dem man die trefflichen Entscheidungen erklärt, damit es ihre Richtigkeit einsieht. In diesem System dient dem Volk, was dem Herrscher dient.
So steht der Macher oder - in jüngster Zeit auch immer öfter die Macherin - auf dem Feldherrenhügel des Direktorats und wähnt sich in einer Zeit, in der die Welt für die wirklich großen Lichtgestalten noch in Ordnung war. Und so probiert man erst ganz still und heimlich, dann immer unverhohlener, zu einer Zeit zurückzukehren, in der es hieß: “L’état, c’est moi!” Welch Glück für unsere zivilen Sonnenkönige und -königinnen, dass sich die Geschichte, die darauf folgte, nicht wiederholt. Oder doch?
P.S.: Bevor Sie sich erschrecken - diese Gegenwartsutopie ist frei erfunden, gewisse Ähnlichkeiten mit lebenden Macherinnen oder Machern rein zufällig. Falls Sie jedoch einen Vertreter dieser Spezies kennen - schreiben Sie!
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Ich freue mich
By claude | Juni 14, 2008
Bald ist sie vorbei die kindergartenabschlussschulsuchanmeldungsgeigenvorspielsommerfestvor
bereitungsaufnahmefeierabschlussgottesdienstklassenfahrtzeugniskonferenznoteneintragungs
nachnotenlehrlaufzkeinelustmehrhabenrumhängendedeklassenundgenervtekollegeninurlaubs
reifezeit.Ich freue mich.
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Was ist Macht? Eine Frage nur für Lehrerinnen und Lehrer?
By claude | Mai 22, 2008
Byung-Chul Han hat ein gutes Büchlein geschrieben: Was ist Macht? (Reclam, Stuttgart 2005) Ich zitiere relativ unkommentiert:
“Das Geschehen der Macht erschöpft sich nicht in dem Versuch, Widerstand zu brechen oder Gehorsam zu erzwingen. Die Macht muss nicht die Form eines Zwanges annehmen. Dass sich überhaupt ein gegenläufiger Wille bildet und dem Machthaber entgegenschlägt, zeugt gerade von der Schwäche seiner Macht. Je mächtiger die Macht ist, desto stiller wirkt sie. Wo sie eigens auf sich hinweisen muss, ist sie bereits geschwächt.” (9)
“Die Macht als Zwang besteht darin, eigene Entscheidungen gegen den Willen des anderen durchzusetzen. So weist sie einen geringen Vermittlungsgrad auf. … Mehr Vermittlung enthält dagegen jene Macht, die nicht gegen den Handlungsentwurf des anderen, sondern aus ihm heraus wirkt. Eine höhere Macht ist nämlich die, die die Zukunft des Anderen bildet, und nicht die, die sie blockiert. …Ohne jede Gewaltausübung nimmt der Machthaber Platz in der Seele des Anderen.” (11)
“Je mehr Macht ein Machthaber hat, desto mehr ist er etwa auf die Beratung und Mitarbeit der Untergebenen angewiesen. Er kann zwar viel befehlen. Aber aufgrund der wachsenden Komplexität geht die faktische Macht auf seine Berater über, die ihm sagen, was er befehlen soll. Die vielfachen Abhängigkeiten des Machthabers werden für die Untergebenen zu Machtquellen. Sie führen zur strukturellen Streuung der Macht.”
Ich wollte relativ unkommentiert zitieren. Also: Was ist Macht? Eine Frage nur für Lehrerinnen und Lehrer oder auch für Schulleitungen??
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Vom Wert unserer Arbeit
By claude | Mai 17, 2008
Früher sagte einmal ein Kollege auf die Frage eines Schülers, was er verdiene: “Was ich verdiene, kann mir keiner bezahlen, ich kann dir nur sagen, was ich kriege!”
Nachdem Busfahrer, die Busse zum Busfahren, Kassiererinnen die Kassen zum Kasieren und Fussballer, die Fussbälle zum Fussballspielen auf der Arbeit gestellt bekommen, haben nun auch Schullehrer das Recht, die Schulbücher zum Schulunterricht nicht selbst bezahlen zu müssen: OVG Koblenz, Urteil vom 26.2.2008. Das ist doch schon mal ein Anfang! Wir merken, langsam nimmt die gesellschaftliche Anerkennung unserer Arbeit richtig Fahrt auf.
Für mich war kürzlich eine sehr einfache Aussage eines Freundes eine Offenbarung. Ihm wurde schulintern angeboten an einer Supervision teilzunehmen. Kosten? Günstig: 150,- Euro im Halbjahr. Er sagte: “Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit.” Mich hat die Aussage deshalb überrascht, weil er sehr engagiert ist und sich auf eigene Kosten fortgebildet hat. Er ist qualifiziert für Freizeitpädagogik und Theaterarbeit in der Schule. Mich hat die Aussage deshalb überrascht, weil ich seit einem Jahr eine Weiterbildung durchführen darf, die ich selbst bezahle und seit dem ein schlechtes Gewissen hatte. Die Weiterbildung bringt mir sehr viel für meine Arbeit in der Schule. Deshalb sehe ich mein Geld gut investiert. Warum habe ich dann ein schlechtes Gewissen? Weil die Lehrer, die sich nicht fortbilden immer auf die Faullenzer schimpfen, die deshalb fehlen? Weil die Schulleitung mir erlaubte diese Fortbildung zu machen, unter der Bedingung die Fehlzeit durch Mehrarbeit zu kompensieren und mit einer Vertretung den Unterricht vor- und nachzubereiten? Ich glaube, bei mir ist eine Schraube locker! Das wurde mir schlagartig klar, als mir der Freund das sagte. Vielleicht sollte ich doch mal eine Psychoanalyse machen - gegen mein schlechtes Gewissen.
Deshalb bin ich froh, wegen des Satzes: “Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit!” Das ist auch eine Haltung und keine schlechte. Mir hat das neues Selbtsbewusstsein gebracht. Ich zahle etwas für die Verbesserung meiner Fähigkeiten. Das muss man nicht. Aber mir hilft es, meine Selbstachtung, meinen Selbstwert zu steigern. Das klingt vielleicht komisch, aber: Das mache ich freiwillig. Dafür kann die Schule, wenn sie will dankbar sein, muss sie aber nicht. Seit dem ich diesen Satz hörte, ist mein schlechtes Gewissen weg - auch ohne Psychoanalyse. Schaun mer mal, ob dauerhaft…
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Ich habe ein altes Wort gefunden!
By claude | Mai 5, 2008
“Alle Lehrer, gerade weil die Schulen Asyle der Muße sein sollten, müssen sich aufs leidenschaftlichste am Kampf der Geister unserer Zeit beteiligen…, damit sie aus den heißesten Bedürfnissen der Gegenwart heraus ihren Schülern, die doch lauter Kinder der Zeit sind, den Zugang zum Bedeutenden öffnen können.” (Heinrich Weinstock, Arbeit und Bildung, Heidelberg, 2. Aufl. 1956, 153.)
Kannten wir dies Wort einmal: “Muße”? Und mehr noch: die Schule gar ein Asyl der Muße? O Gott, wenn dies die Definition unserer Aufgabe und unserer Institution ist, dann machen wir uns jeden Tag schuldig an unseren Schülern. Und auch an uns? “Muße” das klingt, wie ein Märchen aus uralten Zeiten. Wie konnten wir dies Wort (und vorallem das, was hinter diesem Wort wirklich steht) nur vergessen? Wie konnten wir nur Nietzsches Warnung überhören, dass wer mit der “Uhr in der Hand denkt”, “aller guten Bildung den Garaus macht”? (Zitat bei: Dirk Kutting, Lehrer sein, Göttingen 2008, 44.)
“Muße”, das hat etwas mit gelebter Freizeit und Freiheit zu tun, das wusste man zumindest theoretisch noch vor 50 Jahren: “Es wäre deshalb nicht richtig, wenn der Lehrer die Schule als sein ausschließliches Lebensgebiet wählen würde. Er hat nicht nur das Recht, als Erwachsener im vollen Sinne zu leben, er hat sogar die Pflicht, es zu tun. Seine “Freizeit” steht damit, …, notwendigerweise im Lichte seiner Arbeit.” (M.J. Langeveld, Die Schule als Weg des Kindes, Braunschweig 1960, 161.)
Wenn man daraus nicht folgert, dass die Freizeit Arbeit mit anderen Mittel ist (vgl. nochmals Nietzsche: “Man schämt sich jetzt schon der Ruhe!” Ebd.), dann können wir aus dem bisher Gesagten den Schluss ziehen: Vor Allem Lehrer sein und vor Allem immer im Dienst sein, kommt unser Mensch sein, unser privates und gesellschaftliches Leben, die Muße. Zu schön, um wahr zu sein. Oder besser: Zu wahr, um nur schön zu sein? Vielleicht auch: Zu wahr, um nicht gelebt zu werden!
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Ich habe zwei neue Wörter gelernt!
By claude | April 4, 2008
Toll! Applaus! Würde meine Tochter sagen, aber ich finde diese Wörter wirklich interessant und unsere Situation als Lehrerinnen und Lehrer erhellend.
Soll ich die beiden Wörter sofort bringen oder sie erst ein wenig umschreiben?
Lieber erst ein bisschen umschreiben! Also das erste Wort meint ungefähr Folgendes. Kennen wir wahrscheinlich fast alle… Da wir als Menschen abhängig sind von unserer Motivation, müssen wir für die Ausführung bestimmter Tätigkeiten, die wir als langweilig empfinden, einen gewissen Widerstand überwinden. Bei manchen von uns passiert dann verstärkt, aufgrund der Tatsache, dass die Ausführung der Tätigkeit stark mit negativen Gefühlen besetzt ist, dass sie aufgeschoben wird. Bei manchen von uns ist die Fähigkeit der Aufschiebung so stark ausgeprägt, dass sie fast schon wieder in kulturelle Werte gerinnt. Nehmen wir z.B. das Schreiben eines Beitrags für unseren Lehrer-Blog. Mein Verhalten bedeutet die Aufschiebung von wichtigerer Arbeit, nämlich der ordentlichen Unterrichtsvorbereitung. Für das Blog-Schreiben nehme ich also sogar Nachteile in Kauf, nämlich liegengebliebene Arbeit. Andererseits, fiele mir anstelle des Blog-Beitrags vielleicht auch eine andere Prokrastination …, upps, jetzt ist das erste Wort doch schon rausgerutscht, wollte ich eigentlich nach ein wenig aufschieben…
Leidest du, liebe Kollegin, lieber Kollege an Prokrastination? Als Krankheit ist dies aber leider noch nicht anerkannt, obwohl es sicher Kollegen gibt, die sich deswegen manchmal krank schreiben lassen. Wenn du wissen willst, ob du von Prokrastination betroffen bist, beantworte folgende Fragen (aus einem Fragebogen von H.-W. Rückert) ehrlich:
Ich erledige Dinge meist auf den letzten Drücker.
Bevor ich mit einer wichtigen Sache anfange, muss ich erst aufräumen.
Für mich zählen nur perfekte Ergebnisse.
Ich bin eher der spontane Typ, ich mag nicht nicht festlegen.
Ich nehme mir immer wieder etwas vor, aber halte mich nicht daran.
Ich kann nicht abschalten, ich muss immer an die unerledigten Sachen denken.
Wenn du auf alle Fragen “stimmt genau” antwortest, dann ist das Prokrastinieren für dich zur Gewohnheit geworden. Du leidest und fühlst dich überlastet, aber wie gesagt, es nicht als Krankheit anerkannt, so wie Lese- Rechtschreibschwäche, AD(H)S usw. bei unseren Schülern, …warum bekommen die eigentlich alles sofort als Krankheit anerkannt, haben die die bessere Lobby als wir, hat jetzt jeder Schulelternbeirat einen direkten Draht zur Ärztekammer, oder was? (Vielleicht habt ihr es noch nicht gemerkt, eben beginne ich mit der Umschreibung des zweiten Wortes!) Also nochmal, haben die Eltern jetzt eigentlich schon einen direkten Draht zur Ärztekammer? Zumindest kriechen alle vor den Eltern, vorallem die Ministerien: Unterrichtsausfall (das ist noch nicht das zweite Wort!) wird drohend in die Schulämter hinein gerufen: Unterrichtsausfall! Und schon gibt es eine neue Verordnung und vorauseilenden Gehorsam der Abteilunsgleiter an den Schulen: Konferenzen nur noch nach 22 Uhr, sonst könnte es am Ende noch Elternabendausfall geben. Unser Schulelternbeirat hat uns einmal ein Pflänzchen geschenkt und ins Lehrerzimmer gestellt, mit lauter kleinen Zettelchen dran. Wünsche für das Kollegium! Da konnte man beispielsweise lesen: Wir wünschen uns verpflichtende Anwesenheitszeit aller Lehrer im Schulgebäude von Montags bis Freitags von acht bis sechzehn Uhr! So jetzt muss das Wort raus: Das ist strukturelle Demütigung! Alles, was in den letzten Jahren passiert, ist strukturelle Demütigung von Lehrern! Kontrolle und Reglementierung, bei gleichzeitiger Arbeitszeiterhöhung gekoppelt mit erzwungenem Lohnverzicht! Lucky und Ivo haben in ihren Kommentaren zu Jürgens letztem Beitrag Listen erstellt, die das Ausmaß struktureller Demütigung nur ansatzweise beschreiben. Alles, was eingeführt wird, soll uns Lehrer kontrollieren. Qualitätskontrolle nennt man das! Ich nenne das strukturelle Demütigung. Bevor ich mich jetzt total in das Thema eingroove nur noch ein Beispiel für strukturelle Demütigung.
Es wird oft darüber geschimpft, dass die Lernatmosphäre in den Klassenräumen nicht stimmt, weil es so laut sei. Darum müssen wir dafür sorgen, dass die Lernatmosphäre sich verbessere. Wir sollen für Ruhe sorgen, ohne die armen Kinder zu demütigen, was ich für richtig halte. Aber habt ihr schon mal etwas von der Nachhallzeit in Räumen gehört? Wenn die Nachhallzeit in Räumen höher als 0,7 s ist, dann kann man keine Ruhe herstellen! Der Hall ist zu groß. Er verzerrt! Er überlagert! Er erzeugt Lärm! Wir haben es bei Lärm also auch mit einem Problem der Raumakustik zu tun. Interessiert aber kein Schulamt, wir haben ja, Pädagogen, die regeln das…
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Die Flagge B.
By claude | März 22, 2008
Ich sage nett und freundlich zu einem Kollegen, der im Mantel an mir vorbeigeht: “Tschüß!” Seine Antwort: “Ich gehe noch nicht. Ich habe Pausenaufsicht!” Oh, ja, große Sache, denke ich, Applaus! Da war sie wieder, die Flagge der Belastung. Ich hasse sie. Ständig wird sie hochgezogen. Die Flagge B.
Ich frage montags eine Kollegin (nach einem Beispiel von einem Kollegen muss ja jetzt aus Proporzgründen nun ein Beispiel mit einer Kollegin kommen, es war aber von einem Kollegen, ich schreibe aber, es sei von einer Kollegin, nicht weitersagen…), wie sie gestern den Tatort fand. Antwort: “Ich musste korrigieren!” Die Flagge B. flott gehisst.
Dienstbesprechung: Der Oberstufenleiter (psst, es war in Wirklichkeit eine Leiterin…) erklärt vor dem Abitur, wieviel er dafür getan habe, damit für uns Alles gut laufe. Das will ich aber nicht hören, denn von ein paar anderen Leute aus dem Kollegium weiß ich, dass sie vor dem Abi auch ein klein wenig was zu tun haben. Die Flagge B. aber weht fröhlich im Wind.
Der Chef (jetzt bin ich ganz durcheinander, ich glaube, es ist wirklich ein Mann…?!) beginnt eine Gesamtkonferenz, (die jetzt immer um sechszehn Uhr beginnen, weil wir ein Ganztagsangebot haben und weil wir ja durch das Ganztagsangebot nicht früher können, weil wir ja nun länger arbeiten müssen, müssen alle erst um sechszehn Uhr mit der Konferenz beginnen, … ) also, der Chef beginnt die Sitzung damit, dass er uns erklärt, dass er viel zu tun hat. Dafür braucht er eine halbe Stunde. Das wollten alle schon immer mal hören, zumal alle erst Morgen um acht wieder Unterricht haben und daher am Spätnachmittag sowieso nicht gewusst hätten, was sie jetzt hätten tun sollen. Die Flagge B. hängt schlaff am Mast.
An meinem möglicherweise in der Darstellung der letzten beiden Beispiele etwas ironischen Unterton, kann man vielleicht merken, dass ich sie auch vor mir hertrage, die Flagge B. Leider erwische ich mich auch, sie immer wieder zu hissen. Wir dürfen nicht gut gelaunt unsere Arbeit verrichten. Wir müssen jammern, weil es viel zu jammern gibt. Aber wem nützt das? Was hilft das, außer dass es die Atmosphäre vergiftet? Was wollen wir wirklich, wenn wir die Flagge B. immer wieder nach oben ziehen? Was soll das also?
Vielleicht wollen wir einfach, dass ab und zu mal jemand sagt: Ich sehe du machst viel und manches gar nicht mal so schlecht, weiter so! Einfach manchmal ein wenig Lob und Anerkennung, das wär´s. Das wollen wahrscheinlich alle, die arbeiten, aber wir Lehrerinnen und Lehrer besonders. Weil wir so wenig Lob und Anerkennung spüren, müssen wir unter uns und anderswo die Flagge B. herumschwenken, wie nervig. Luc Besson hat in seinem Film “Angel.a” eine prima Therapie in Szene gesetzt. Da muss der arme Held des Films, der immer eins in die Fresse bekommt, lernen zu seinem Spiegelbild zu sagen: “Ich liebe dich!” Narzistischer geht´s kaum, mag man denken. Ich glaube aber, dass die Flagge B. viel mehr von Narzissmus zeugt, als eine wirkliche Selbstannahme: “Du, ich mag mich!” Mehr davon, möchte man sagen und weniger von der Flagge B.
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