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Der Fachberater
By Juergen | January 17, 2010
Wo Ministerialbürokraten auf Länder-, Bundes- oder europäischer Ebene wüten, entstehen Konvolute an Bestimmungen und Verordnungen, die umgesetzt werden wollen. Zumeist verkauft man die Neuerungen als Reform mit der dazugehörigen Etikettierung: Basismodule und EPAs, AbiPrO oder dergleichen gedeihen nicht organisch, sondern müssen wie weiland die Missionierung in der Neuen Welt mit dem Kreuz und dem Schwert - heute mit modernem Begriffs-Weihrauch und der Amtsautorität dazu geschaffener Funktionsträger - durchgesetzt werden. An den Universitäten werden zwar fachlich erforderliche Stellen zusammengestrichen, aber an den Fachbereichen “Studienmanager” kreiert, die nicht anderes tun, als die Umsetzung der Bologna-Vorgaben voranzutreiben - mit unzähligen Mails, wann Studenten - Entschuldigung: Studierende - und Lehrende was wo im Internet beantragen, eintragen, austragen, ankreuzen müssen, um sich nicht im Dschungel der virtuellen Universität zu verlieren. Im Schulbereich sind diese Exekutoren ministerieller Orakelsprüche sogenannte Regionale Fachberater, sozusagen die modernen Vizekönige, die in dem ihnen anvertrauten Herrschaftsbereich darüber wachen, dass bis in die kleinste Provinzschule alle in ihrem Fach auf Linie gebracht werden. Ihren großen Tag haben sie immer dann, wenn sie Gericht halten über die Abiturvorschläge der Lehrerinnen und Lehrer. Ein Anruf an besagtem Tag bedeutet, dass der Daumen nach unten ging und man unverzeihliche Fehler beging - trotz vorheriger Rundbriefe… Und Fehlerquellen gibt es zuhauf: von zweimaliger Verwendung desselben Operators, mit dem man Schüler langweilen könnte, über zu kleinschrittige Aufgabenstellungen (die Zahl der Fragen ist ja doch vorgegeben) bis hin zu ästhetischen Entgleisungen (Schriftgröße nicht Times New Roman 12 und Arial 11!! Textstürze! handschriftliche Zusätze! Schnittlinien zusammengeklebter Materialien, die zu hässlichen Kopierschlieren führen!!). Die Monita schwanken zwischen frech (traut man dem Lehrer nicht zu, handschriftliche Zusätze leserlich zu schreiben?) und hanebüchen (Schüler, die Kopierschlieren mit Unterstreichungen verwechseln, gehören zum Drogentest!). Die Anweisungen in diversen Rundschreiben zum Teil dreist (die Tauglichkeit bzw. Ergiebigkeit der Materialien, so ein Tipp, ist sorgfältig zu prüfen - darauf kommt sicher kein Lehrer ohne Fachberater!).
Das Bezeichnende der Spezies Fachberater oder Studienmanager besteht darin, dass deren Existenzberechtigung mit dem Umfang bürokratisch-technokratischer Vorgaben scheinbar zunimmt. Installiert man eine kaum bedienbare Onlineplattform, so braucht es einen Scout, der die Bedienungsanleitung liefert. Schafft man immer neue Verordnungen - bis hin zu Konferenzen, auf denen Lehrer und Eltern über das Stellen von Hausaufgaben übereinkommen müssen! -, braucht es Berater - die Roland Bergers der Bildung. Der Verfasser dieser Zeilen erwägt die Gründung einer Art Bildungs Consulting zwecks Outsourcing dieses Themas aus dem Bereich des staatlichen Schulwesens. Erste Empfehlung wäre die Abschaffung der staatlichen Zwangsberater, die offenbar kein Interesse daran haben, ihre wuchernde Domäne einzuhegen, sondern am Ende gar noch drohen: Sieht man die Maßgaben des Fachberaters nicht sofort ein, ist er gerne bereit, zu einer Fachkonferenz an die Schule zu kommen, um Nachhilfe zu erteilen. Man denkt an Versicherungsvertreter und fragt sich: Danke für diese Hilfsbereitschaft!?
Topics: Allgemein, Lehrer, Abitur |

January 17th, 2010 at 17:49
Ja - es gibt die Griffelspitzer und Formularzombies auch unter den Fachberater/innen. Durchaus. Gar nicht wenige. Viele haben eine Außenwirkung wie ein Staubsaugerbeutel auf Dope.
Aber es gibt (wem auch immer sei Dank) auch eine große Zahl an engagierten, schlauen und vortrefflich Arbeitenden in dieser Berufsgruppe, die superklasse Fortbildungen machen und ihr Fach offenkundig lieben.
Leider zu wenige …