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Ich habe ein altes Wort gefunden!
By claude | May 5, 2008
“Alle Lehrer, gerade weil die Schulen Asyle der Muße sein sollten, müssen sich aufs leidenschaftlichste am Kampf der Geister unserer Zeit beteiligen…, damit sie aus den heißesten Bedürfnissen der Gegenwart heraus ihren Schülern, die doch lauter Kinder der Zeit sind, den Zugang zum Bedeutenden öffnen können.” (Heinrich Weinstock, Arbeit und Bildung, Heidelberg, 2. Aufl. 1956, 153.)
Kannten wir dies Wort einmal: “Muße”? Und mehr noch: die Schule gar ein Asyl der Muße? O Gott, wenn dies die Definition unserer Aufgabe und unserer Institution ist, dann machen wir uns jeden Tag schuldig an unseren Schülern. Und auch an uns? “Muße” das klingt, wie ein Märchen aus uralten Zeiten. Wie konnten wir dies Wort (und vorallem das, was hinter diesem Wort wirklich steht) nur vergessen? Wie konnten wir nur Nietzsches Warnung überhören, dass wer mit der “Uhr in der Hand denkt”, “aller guten Bildung den Garaus macht”? (Zitat bei: Dirk Kutting, Lehrer sein, Göttingen 2008, 44.)
“Muße”, das hat etwas mit gelebter Freizeit und Freiheit zu tun, das wusste man zumindest theoretisch noch vor 50 Jahren: “Es wäre deshalb nicht richtig, wenn der Lehrer die Schule als sein ausschließliches Lebensgebiet wählen würde. Er hat nicht nur das Recht, als Erwachsener im vollen Sinne zu leben, er hat sogar die Pflicht, es zu tun. Seine “Freizeit” steht damit, …, notwendigerweise im Lichte seiner Arbeit.” (M.J. Langeveld, Die Schule als Weg des Kindes, Braunschweig 1960, 161.)
Wenn man daraus nicht folgert, dass die Freizeit Arbeit mit anderen Mittel ist (vgl. nochmals Nietzsche: “Man schämt sich jetzt schon der Ruhe!” Ebd.), dann können wir aus dem bisher Gesagten den Schluss ziehen: Vor Allem Lehrer sein und vor Allem immer im Dienst sein, kommt unser Mensch sein, unser privates und gesellschaftliches Leben, die Muße. Zu schön, um wahr zu sein. Oder besser: Zu wahr, um nur schön zu sein? Vielleicht auch: Zu wahr, um nicht gelebt zu werden!
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May 14th, 2008 at 15:20
wer bei uns im lehrerzimmer muße zeigt oder alles ruhiger angeht, kommt sofort in den verruf, faul und ohne engagement zu sein. man muss hektik zeigen, immer vier arbeitsblätter in der hand rum rasen, elterngespräche zwischendurch, abmachungen treffen, auf jeden fall doch nicht nur einfach DASITZEN und RUHEN.
auch wer mit den kindern liebevoll altmodische dinge tut, wird schräg angesehen- überall drohen pisa- und vera- testdinger, evaluationen, prüfungskommissionsbesuche…..
gruß von w.
May 14th, 2008 at 20:30
Das ist bei euch dann auch so ähnlich, wie bei der “Flagge B.”, über die ich einmal geschrieben habe. Sehr traurig, was du schreibst und leider auch sehr dumm für alle Beteiligte…
liebe Grüße d. claude