« Ich habe ein altes Wort gefunden! | Home | Was ist Macht? Eine Frage nur für Lehrerinnen und Lehrer? »
Vom Wert unserer Arbeit
By claude | May 17, 2008
Früher sagte einmal ein Kollege auf die Frage eines Schülers, was er verdiene: “Was ich verdiene, kann mir keiner bezahlen, ich kann dir nur sagen, was ich kriege!”
Nachdem Busfahrer, die Busse zum Busfahren, Kassiererinnen die Kassen zum Kasieren und Fussballer, die Fussbälle zum Fussballspielen auf der Arbeit gestellt bekommen, haben nun auch Schullehrer das Recht, die Schulbücher zum Schulunterricht nicht selbst bezahlen zu müssen: OVG Koblenz, Urteil vom 26.2.2008. Das ist doch schon mal ein Anfang! Wir merken, langsam nimmt die gesellschaftliche Anerkennung unserer Arbeit richtig Fahrt auf.
Für mich war kürzlich eine sehr einfache Aussage eines Freundes eine Offenbarung. Ihm wurde schulintern angeboten an einer Supervision teilzunehmen. Kosten? Günstig: 150,- Euro im Halbjahr. Er sagte: “Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit.” Mich hat die Aussage deshalb überrascht, weil er sehr engagiert ist und sich auf eigene Kosten fortgebildet hat. Er ist qualifiziert für Freizeitpädagogik und Theaterarbeit in der Schule. Mich hat die Aussage deshalb überrascht, weil ich seit einem Jahr eine Weiterbildung durchführen darf, die ich selbst bezahle und seit dem ein schlechtes Gewissen hatte. Die Weiterbildung bringt mir sehr viel für meine Arbeit in der Schule. Deshalb sehe ich mein Geld gut investiert. Warum habe ich dann ein schlechtes Gewissen? Weil die Lehrer, die sich nicht fortbilden immer auf die Faullenzer schimpfen, die deshalb fehlen? Weil die Schulleitung mir erlaubte diese Fortbildung zu machen, unter der Bedingung die Fehlzeit durch Mehrarbeit zu kompensieren und mit einer Vertretung den Unterricht vor- und nachzubereiten? Ich glaube, bei mir ist eine Schraube locker! Das wurde mir schlagartig klar, als mir der Freund das sagte. Vielleicht sollte ich doch mal eine Psychoanalyse machen - gegen mein schlechtes Gewissen.
Deshalb bin ich froh, wegen des Satzes: “Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit!” Das ist auch eine Haltung und keine schlechte. Mir hat das neues Selbtsbewusstsein gebracht. Ich zahle etwas für die Verbesserung meiner Fähigkeiten. Das muss man nicht. Aber mir hilft es, meine Selbstachtung, meinen Selbstwert zu steigern. Das klingt vielleicht komisch, aber: Das mache ich freiwillig. Dafür kann die Schule, wenn sie will dankbar sein, muss sie aber nicht. Seit dem ich diesen Satz hörte, ist mein schlechtes Gewissen weg - auch ohne Psychoanalyse. Schaun mer mal, ob dauerhaft…
Topics: Allgemein |

May 18th, 2008 at 09:47
“mir hilft es, meine Selbstachtung, meinen Selbstwert zu steigern.”
Und das sind nicht unwesentliche salutogenetische (gesundheitserzeigende) Faktoren. Du investierst also quasi in deine Gesundheit und erhältst deine Arbeitskraft. Dafür sollten dir die Schule und Kollegen dann aber doch dankbar sein.
May 18th, 2008 at 11:12
Danke, du hast recht, wenn ich die Arbeit so sehen kann, geht es mir auch immer gut.
Nur immer mal wieder auftauchende Selbstzweifel machen mir es schwer, dann bin ich auch den Kollegen nicht immer wohlgesonnen und fange selbst an zu rechnen, was machen die, was mache ich, was mach ich besser, was machen andere schlechter usw. usf. … dumm, dumm, dumm
May 23rd, 2008 at 17:00
Danke für diesen Beitrag. Seit ich vor fünf Jahren den Lehrerjob begonnen habe, ist die “böse Weiterbildungsproblematik” ein Punkt, der mich von Beginn an extrem frustriert hatte. Mein Nebenbei-Fernstudium wurde plötzlich zu einem Riesenproblem - und dann ganz gestrichen.
“Ich bezahle nichts mehr für meine Arbeit” - das werde ich nicht schaffen, aber es entspannt.
Aber dieser Satz spielt auch in die Situation hinein, Unterrichtsmaterialien zu besorgen. Neulich haben meine Schüler bei einem Podcast-Wettbewerb einen Preis bekommen. Da stehen wir nun (beim Wettbewerb) als fortschrittliche Schule da. Wer hat die Ausrüstung bezahlt, um den Podcast aufzunehmen? Dreimal dürft ihr raten… Ich, aus meiner privaten Tasche. Darf ich dich nochmal zitieren, claude?
“dumm, dumm, dumm”
May 23rd, 2008 at 20:32
Lieber Werner, wie ist das, wenn wir Geld von den Schülern zu kassieren haben? Nie würden 7,95 Euro auf 8,- aufrunden, selbst wenn wir in der Klasse vielleicht schon x Kopien aus eigener Tasche bezahlt haben, weil es uns zu “dumm” ist, jedesmal das Geld einzusammeln. Aber, wenn etwas z.B. 2,15 kostet, runden wir ab, weil wir so schon das Portemonnaie mit Kleingeld vollbekommen, weil die Schüler solche Rechnungen am liebsten in 10 oder 20 Cent Stücken bezahlen: dumm, dumm, dumm
May 26th, 2008 at 21:55
Also ich sammle bei Beträgen von 7,95 Euro schon 8 Euro ein. Wo ist das Problem? Die Schüler kommen bei der Verrechnung mit den Kopien gut weg, und man muss als Lehrer keine Geldrolle mit 5-Cent-Stücken bei der Bank besorgen. Wer sollte dabei ein schlechtes Gewissen haben? Und: warum?
July 13th, 2008 at 18:51
so sehe ich das auch
October 14th, 2009 at 20:11
Ich finde Lehrer sind unglaublich viel Wert
October 14th, 2009 at 20:12
Können sicher auch alle bestätigen.
October 14th, 2009 at 20:13
In Deutschland werden Lehrer allerdings sehr gut bezahlt…
October 14th, 2009 at 20:14
Weiss jemand, dass Illu ein nicht passender Eintrag ist?
October 15th, 2009 at 06:43
weiss jemand, was ein nicht passender eintrag ist?