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Suche nach Gründen
By claude | March 21, 2009
“Nihil est sine ratione.” “Nichts ist ohne Grund.” Dieser Satz ist ein Grund-Satz der Philosophie. Er scheint einzuleuchten. Für alles was geschieht, fordert unser Verstand Gründe. Wir möchten unser Dasein als eine Kette von Kausalitäten sehen, dann fühlen wir uns sicher und getragen vom Grund des Seins. Aber schon ein blöder Unfall oder eine böse Krankheit erschüttert unser Selbstverständnis. Was habe ich falsch gemacht? Warum kann ich mich auf meinen Körper nicht verlassen? Hat alles einen Grund? Fragen wir schon dann?? Wieviel mehr werden die Angehörigen von Opfern eines Amoklaufs das fragen. Nichts ist ohne Grund! Wie das? Wie soll es dafür Gründe geben?
Um unserer Hilflosigkeit Herr zu werden suchen wir dennoch nach Gründen. Und uns Lehrerinnen und Lehrer nervt schnell, wenn unter den Gründen auch wir und unsere Institution Schule zu finden ist: Wenn unsere pädagogische Fürsorge vermisst oder gar unsere präventive Aufsicht gefordert wird. Können wir nicht schon mögliche Kandidaten im voraus herausfiltern und ihnen unsere beondere Aufmerksamkeit schenken? Oh ja, ein Stigmatisierter wird sicher seiner Rolle gerecht werden wollen und unsere pädagogische Bemühung belohnen, in dem er uns wie eine Schlange durch die Finger gleitet, um sein Werk um so besser zu verrichten. Wie groß wäre der Erfolg, uns trotz unserer Aufmerksamkeit belogen zu haben und zu seinem Ziel gekommen zu sein, dass sich schon seit Jahren im Reifungsprozess befand. Man stelle sich vor, wir bilden eine Beratungsgruppe für besonders Amok gefährdete Jugendliche. Warum melden wir sie nicht gleich zu einem Sommerurlaub in einem vorderasiatischen Terrorcamp an? Ist es pädagogisch nicht sinnvoller von der Normalität unseres Zusammenlebens auszugehen, in der Terror keinen Platz hat? Wollen wir wirklich unser Leben auf den Ausnahmefall einstellen? Ist es nicht eventuell hilfreicher, die Denk- und Handlungsbemühung schon vorher abzubrechen? Kann es kein Ansatz sein, zu sagen: Dies ist ohne Grund? Es ist bodenlos. Es ist ein Satz vom Grund: nämlich ein Sprung in den Abgrund! Alles Gründe forschen gibt den Tätern recht! Es lässt die Taten nicht als das erscheinen, was sie sind: sinnlos, abgründig, irrsinnig… Alles Gründe forschen gibt den Tätern recht. Gründe rechtfertigen ihre Tat. Daher: Kein Andenken der Tat! Gründe rechtfertigen die Täter. Daher: Streicht ihre Namen aus dem Gedächtnis der Menschheit. Es kann nur einen Lohn geben: Sie vergessen! (Daher werde ich jetzt auch kein Wort über die Opfer schreiben, weil ich sie nicht neben die Täter setzen möchte.)
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